Kniebeugen
– die vergessene Übung
Wer funktionelle Kraft in seinen Beinen und seinem gesamten
Unterkörper aufbauen will, kommt an einer Übung
garantiert nicht vorbei. Der Kniebeuge und damit meine ich
nicht nur die klassische Variante, sondern die Kniebeuge in
all ihren Variationen. Gerade Kampfsportler brauchen funktionelle
Kraft in ihren Beinen, bzw. ihrer Körpermitte, den egal
wie stark Arme und Schultern sind, schwache Beine bedeuten
schwachen Stand und wer nicht stabil stehen kann, kann auch
nicht kämpfen.
Wissen sie was die harten Low Kicks eines Thai Boxers, die
schnellen Beinangriffe eines Grapplers und die artistischen
und spektakulären Sprungtritte eines Tae-Kwon-Do Kämpfers
gemeinsam haben, man benötigt starke Beine um sie ausführen
zu können und die Kniebeuge ist genau die richtige Übung
dafür.
Vielleicht trainieren sie in einem Fitness Studio und fragen
sich jetzt kann man Kniebeugen nicht auch durch gerades Beinheben
am Beincurler, oder Übungen an der Beinpresse ersetzen,
denn die machen viel mehr Spaß und sind nicht so anstrengend
wie Kniebeugen, aber ich muss sie leider enttäuschen,
denn eines der Geheimnisse der Kniebeuge liegt darin, das
sie die verschiedensten Muskelgruppen zusammen trainiert.
Um eine Kniebeuge auszuführen, wird also fast der gesamte
Körper benötigt, genauso, wie es auch bei komplexen
Bewegungen im Kampfsport der Fall ist. Ein isoliertes Training
der Beinmuskeln, z.B. mit dem Beincurler, lässt zwar
den Muskel wachsen und ist deshalb für Body Builder,
etc. effizient, für Menschen die funktionelle Kraft entwickeln
wollen, jedoch völlig unbrauchbar. Es gibt unzählige
Variationen von Kniebeugen, jede spricht die Muskelgruppen
des Körpers anders an, so dass der Körper auf die
verschiedensten Bewegungsmuster eingestellt wird, was ja gerade
im Kampfsport enorm wichtig ist.
Die nächste Frage die sie sich jetzt vielleicht stellen
ist, mit wieviel Kilo soll ich den Kniebeugen machen und sie
denken dabei an die Langhantel die sie sich in den Nacken
legen wollen, um so ihre Kniebeugen auch effizient zu machen.
Ich muss sie schon wieder enttäuschen, aber wie sie vielleicht
schon mitbekommen haben, bin ich kein grosser Befürworter
von Krafttraining mit Gewichten, wenn es um funktionellen
Kraftzuwachs für Kampfsportler, oder Sportler im Allgemeinen
geht. Warum? Ganz einfach. Bleiben wir bei unserem Beispiel.
Thai Boxen, Grappling und Tae-Kwon-Do. Ein normaler Kampf
im Thai Boxen dauert 5 Runden von je 3 Minuten länge,
ein Grapplingkampf dauert 10, 20 und manchmal sogar 30 Minuten,
je nach dem was für Regeln gelten und auch ein Tae-Kwon-Do
Kampf hat mehrere Runden.
Sie merken also die Belastung die sie im Kampfsport erleben,
ist meist langfristig und deshalb ist es wichtig, dass z.B.
ihre Beine in der Lage sind eine gewisse Belastung mehrere
Minuten lang auszuhalten. Einige Übungen die ich ausführe
sind z.B. 500 Kniebeugen nonstop. Je nachdem welche Arten
von Kniebeugen man ausführt, dauert es gut eine viertel
Stunde, bis man soviele Wiederholungen absolviert hat. Man
schwitzt, der Puls ist oben und die Beine fühlen sich,
sagen wir gut an. Wenn sie es schaffen 15 Minuten lang Kniebeugen
zu machen, dann brauchen sie sich über ihre Beinkraft
während eines Kampfes keine Sorgen mehr zu machen. Kniebeugen,
waren die Grundübungen der legendären indischen
Ringer und auch Ringerlegende Karl Gotch trainierte täglich
bis zu 500 Kniebeugen, für meinen Geschmack zwar etwas
viel, aber wer es schafft soll es machen.
Immer noch nicht überzeugt? Sie meinen das man mit Kniebeugen
ohne Gewichtsbelastung dafür in hoher Wiederholungszahl
zwar seine Kraftausdauer, nicht aber seine Maximalkraft steigert.
Diese Argument höre ich immer wieder und wissen sie wie
ich darauf antworte? Ganze einfach, wie ich schon erwähnt
habe gibt es die verschiedensten Varianten von Kniebeugen,
darunter auch so komplexe Formen wie “Maxalding Squats”
und “Pistols”, das sind Kniebeugen auf einem Bein.
Wenn sie also glauben, das Kniebeugen ohne zusätzliche
Gewichtsbelastung zu leicht sind, dann bitte ich sie einfach
mal darum, 20, oder auch nur 10 Kniebeugen auf einem Bein
zu machen, die meisten Menschen merken dann ganz schnell,
wie schwer Kniebeugen doch sein können.
Vergessen sie die Begriffe Maximalkraft und Kraftausdauer,
wenn es um Bodyweight Exercises, also um Übungen mit
dem eigenen Körpergewicht geht, denn diese Begriffe beziehen
sich auf statisches Training mit Hanteln und Maschinen. Wenn
ich trainiere vermischen sich ständig die verschiedensten
Formen der Belastungsintensität miteinander. Wie in einem
Kampf auch, ändert sich die Belastungsintensität
je nach dem was für eine Übung man gerade macht.
Ein kleines Beispiel. Wenn ich 500 Kniebeugen ausführe,
mache ich 100 Kniebeugen, 50 gesprungene Kniebeugen, dann
wieder 100 normale, usw. Es gibt also keine gleichförmige
Belastung wie man das von regulären Kraftübungen
her kennt, denn es geht ja nicht um den Zuwachs von sinnloser
Kraft und Masse, sondern um das entwicklen von funktioneller
Kraft.
Natürlich schreibe ich nichts ohne mich nicht selber
davon überzeugt zu haben und so habe ich ungefähr
6 Monate lang mit Gewichten trainiert um an meinem Körper
zu erleben, wie solch ein Training mich und meine kämpferischen
Fähigkeiten beeinflusst. Obwohl ich nie vorher wirklich
mit Gewichten trainiert hatte, konnte ich kurz nachdem ich
mit dem Training angefangen habe schon 10 mal 90 Kilo in der
Kniebeuge bewegen. In nur dreimonaten war ich bei 10 mal 130
Kilo, die ich sauber bewegen konnte. Meine vermeindlich “leichten
Kniebeugen” hatten mir also schon eine gute Basis geschaffen,
um auch mit Gewichten schnell erfolgreich zu sein. Ich wurde
stärker, ich konnte mehr Gewichte stemmen und ich fühlte
mich am Morgen danach, als hätte mich, während ich
schlief ein Lastwagen überollt. Meine Energie war weg,
wenn ich Brazilian Jiu Jitsu trainiert habe, was ich 4-5 mal
pro Woche tue, war ich völlig verkrampf, angespannt und
steif, ich wurde nicht stärker, sondern eher schwächer.
Auch meine Sehnen, Bänder und Gelenke fühlten sich
nicht sonderlich stark an, sondern eher überlastet und
müde, ich denke nicht das es besonders gesund ist, seine
Kniegelenke mit 130 Kilo und noch seinem Körpergewicht,
über Jahre hinweg zu belasten, aber das ist nur meine
Meinung. Nach 6 Monaten beendete ich das Experiment Gewichtheben
und ging zurück zu den Bodyweight Exercises.
Ein weiterer Vorteil von Kniebeugen mit hoher Wiederholungszahl
ist ein Effekt, denn ich “Spring Power” nenne.
Ich kenne dafür keine physiologische Erklärung,
aber wenn man diese Übungen eine Zeit lang durchführt,
spürt man in den Beinen eine, ich würde sagen, elastische
Kraft, die Beine fühlen sich wie Federn an und man kann
explosionsartig reagieren. Wenn ich als Grappler z.B. Beinagriffe
übe, dann bin ich blitzartig in der Hocke und an den
Beinen meines Gegners und meine Beine fühlen sich dabei
wirklich wie Federn an.
Obwohl zu einem kompletten Beinworkout noch andere Übungen,
wie z.B. Treppensteigen, Wandsitzen und Übungen mit Gummibändern
gehören, sind Kniebeugen ohne Zweifel die wichtigsten
Übungen um funktionelle Kraft in den Beinen, bzw. der
gesamten unteren Körperhälfte zu erlangen.
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