Klimmzüge
– der ultimative Fitnesstest
Wenn sie auf der Strasse einfach zufällig Menschen ansprechen
und sie darum bitten 10 Liegestütze, 10 Kniebeugen oder
10 Klimmzüge zu absolvieren, was glauben sie wohl, welche
der drei Übungen würden die wenigsten bewältigen?
Die Letzte? Genau, denn Klimmzüge und ihre Varianten
gehören zu den schwierigeren Bodyweight Exercises, denn
wer es schafft sein Körpergewicht 10 mal nach oben zu
wuchten, der besitzt schon ein gutes Maß an funktioneller
Körperkraft und hat bestimmt auch nicht viel Körperfett,
denn sonst würde er kaum 10 Klimmzüge schaffen.
Klimmzüge gehören mit den zwei anderen Basisübungen,
den Kniebeugen und den Liegestütze zu den drei Grundübungen
eines effizienten Workouts und obwohl man nichts anderes tut,
als sein Körpergewicht auf und ab zu bewegen, gibt es
die unterschiedlichsten Variationen, die das Zusammenspiel
von Unterarm, Oberarm, Schulter und Rückenmuskulatur
trainieren und dabei auch noch die vordere Rumpfmuskulatur
stärken.
Ich weiss dass der Zugturm in den meisten Fitness Studios
zu den beliebtesten Geräten gehört, aber egal welche
Art des „Nackenziehens“ und des „Ruderns“
man dort ausübt, die Muskulatur wird weitgehend isoliert
und genau das wollen wir vermeiden. In den greifenden Kampfkünsten,
wie Judo, Ringen, Grappling oder Brazilian Jiu Jitsu, ist
die Zug und Griffkraft von enormer Bedeutung, aber um diese
zu entwickeln, benötigt man das Zusammenspiel der verschiedenen
Gelenke und Muskelgruppen und genau dabei helfen Klimmzüge.
Führt man z.B. „Nackenziehen“ am Zugturm
aus, so befindet sich der gesamte Körper fest auf dem
Gerät, man muss also nur die Gewichte ziehen, während
man bei Klimmzügen, seinen gesamten Körper ausbalancieren
und im Gleichgewicht halten muss, was wiederum weitere Muskeln
beansprucht.
Neben den verschiedenen Griffarten, kann man auch seine Körper
und Beinhaltung während der Übungen variieren und
so verschiedene Muskelgruppen ansprechen. Auch statische,
d.h. isometrische Klimmzüge (man hält sich eine
bestimmte Zeit in einer bestimmten Position), sind eine gute
Übung, aber zu den verschiedenen Klimmzügen später
mehr.
Mein Trainingsprogramm variiert, aber ich führe mehrmals
in der Woche 70 – 120 Klimmzüge aus. Gerade bei
Klimmzügen ist es wichtig sich nicht völlig auszupowern
und so nutze ich eine Methode, die gerade auch bei den Spezialeinheiten
der ehemaligen Sowjet Union sehr beliebt war. Die mussten
nämlich mindestens 18 Klimmzüge absolvieren, während
sie eine 10 Kilo schwere Kugelsichere Weste trugen. Da sie
eigentlich kaum Freizeit hatten, mussten sie eine Methode
benutzen die wenig Zeit erfordert und sie nicht „übertrainiert“.
Man trainiert also Klimmzüge ohne sich dabei zu verausgaben
und kommt doch auf eine sehr grosse Wiederholungszahl. Einige
Leute haben mit diesem Trainingsprogramm ihre Bestleistung
von 10 auf 20 Klimmzüge gesteigert und meine Erfahrungen
damit sind auch durchaus positiv.
Wie funktioniert also dieses Programm? Ganz einfach, man macht
einen Klimmzug, wartet ein paar Sekunden und macht zwei Klimmzüge,
wartet wieder und macht drei usw. Die Pausen zwischen den
Klimmzügen sollten nicht zu lange sein und wenn man diese
Übung mit einem Partner durchführt, macht man es
einfach abwechselnd. Ein Klimmzug er, ein Klimmzug ich, zwei
Klimmzüge er, zwei Klimmzüge ich usw. Wenn man merkt
das man an sein Limit kommt hört man am besten etwas
davor auf, d.h. wenn man vielleicht 8 Wiederholungen schaffen
könnte, hört man nach 6 Wiederholungen auf. Man
hat dann also 1+2+3+4+5+6=21 Klimmzüge gemacht, hat das
Bewegungsmuster „eingeschliffen“ und sich trotzdem
nicht verausgabt. Man sagt russische Gewichtheber benutzen
diese Methode seit Jahren und das Ergebnis ist ja bekannt,
sie gehören zur Weltelite. Aus meiner Erfahrung kann
ich sagen das sie funktioniert. Wenn man also mit 21 Klimmzügen
noch nicht zufrieden ist, fängt man wieder von vorne
an und macht einen Klimmzug, diesmal geht man aber nur bis
5 Wiederholungen und fängt dann wieder von vorne an.
Ein
Programm würde z.B. so aussehen:
1 .Serie: 1+2+3+4+5+6
2. Serie: 1+2+3+4+5
3. Serie: 1+2+3+4
4. Serie: 1+2+3
5. Serie: 1+2
6. Serie: 1
Alles in allem hat man bei 6 Serien insgesamt 56 Klimmzüge
absolviert ohne sich auszupowern. Im vergleich dazu 5 Sätze
hintereinander mit 11, bzw. 12 Wiederholungen schaffen, um
auf die gleiche Zahl zu kommen. Danach wäre man völlig
ausgepowert und gerade Kampfsportler haben ja noch besseres
zu tun, als den ganzen Tag Klimmzüge zu machen, Kampftraining,
etc. sind ja weitere Belastungen, die am Körper zehren
und da ist es wichtig, sich beim Krafttraining nicht völlig
zu verausgaben. Man sollte immer daran denken, das der Muskel
während der Erholungsphase wächst und nicht während
man trainiert. Ausserdem kann ich aus eigener Erfahrung sagen,
das ich mit dieser „Leiter-Methode“ in kürzester
Zeit eine grössere Leistungssteigerung erfahren habe,
als in den Jahren zuvor mit maximalen Belastungssätzen.
Wie schon erwähnt gehören Klimmzüge zu den
drei Basisübungen, innerhalb eines funktionellen Krafttrainings.
Ich werde auf meiner Website einige verschiedene Arten von
Klimmzügen zeigen, es gibt unzählige davon und mir
fallen auf Anhieb schon 10 Stück ein. Fighter-Fitness
ist eine Wissenschaft und eine Kunst wenn es um Übungen
mit dem eigenen Körpergewicht geht und es gibt viel mehr
davon als sich die meisten Menschen vorstellen können.
Zum
Schluss noch mein Kommentar an all die Menschen, denen Klimmzüge
zu leicht sind und die auf die Idee kommen, Hantelscheiben
um ihre Hüften zu hängen und damit Klimmzüge
zu machen.
Erstens
brauchen Kampfsportler keine Maximalkraft, sondern die Fähigkeit
ihre Zug und Griffkraft über mehrere Minuten einsetzen
zu können.
Zweitens
macht einfach einhändige Klimmzüge und die Frage
nach zusätzlichen Gewichten hat sich erledigt.
Schonen
sie ihre Gelenke und bewegen sie was ihnen die Natur zum Bewegen
gegeben hat, ihren Körper. |