Der Tag X-oder warum viele Kampfkünste im Ernstfall versagen


Was tun Sie, wenn ein 2 Meter großer, 110 Kilo schwerer Typ auf sie zu stürmt? Voll gepumpt mit Adrenalin, hat er nur einen Gedanken, Sie ungespitzt in den Boden zu rammen, er kommt immer näher, zu nah um noch weg zu laufen, zu wütend um noch zu reden. Die Blicke sind auf Sie gerichtet, jeder wartet darauf was passiert. Die Menge schreit nach Blut, ganz egal von wem, denn eines ist sicher, es kann nur einen Sieger geben, nur einer wird den Raum aufrecht verlassen. Alles kommt Ihnen vor wie in Zeitlupe, viel zu irreal, eine unwirkliche Situation.
Die Stimmen der Menge, das Gesicht Ihres Gegners, alles wird zu einem Sog aus Ängsten, Emotionen und Realität. Der Typ ist jetzt fast bei Ihnen und dann.......wachen Sie auf und sind froh, dass alles nur ein Traum war, zumindest dieses Mal.
Finden Sie so eine Szene zu grotesk? Nun vielleicht ist sie das, aber sie ist durchaus real und hat sich so wahrscheinlich schon einige hundertmal in Kneipen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder auf der Straße abgespielt. Denken Sie einmal darüber nach, was würden Sie in solch einer Situation tun? Einen Kipphandhebel? Einen gedrehten Sprungkick?
Oder ein paar Faustschläge? Probieren Sie es, Ich würde es nicht tun. Warum? Genau davon handelt dieser Artikel. Was während einer wirklichen Kampfsituation passiert und warum herkömmliches Kampfkunst/Sport Training nicht immer ein Garant dafür ist, so eine Situation heil zu überstehen, genau darum geht es auf den folgenden Seiten. Was passiert also während eines Kampfes und worin liegen die Schwächen, vieler Kampfsportarten?
1. Fehlender Nah und Bodenkampf
Gehen wir noch einmal zurück zu unserem Traum. Was glauben Sie würde passieren, wenn so eine „Kampfmaschine“ auf Sie zu käme? Vielleicht würde er Ihnen einen wuchtigen Schwinger verpassen und die Dynamik und Wucht seiner Masse würde Sie total überrumpeln. Ihre Blocks, Schrittarbeit oder Meidbewegungen würden Sie kaum retten. Egal ob der erste Angriff trifft oder nicht, die Masse Ihres Gegners kommt direkt auf Sie zu. Sie verkrampfen innerlich, verlieren Ihr Gleichgewicht, stolpern.....
Vielleicht fallen Sie zu Boden, vielleicht werden Sie zu Boden gerissen oder gedrückt und 110 Kilo geballte Wut stürzen auf Sie, schlagen auf Sie ein oder nehmen Sie in einen Schwitzkasten, der Ihnen fast das Bewusstsein raubt. 20 Jahre Kampfsport Training, sind in diesem Moment bedeutungslos geworden, plötzlich befinden Sie sich in einer anderen, für sie völlig neuen Welt. Für Sie ist das alles nur ein Alptraum, aber es ist sein Spiel. Sie haben keine andere Wahl, spielen Sie, spielen Sie und gewinnen Sie, alles andere wäre fatal. Was tun? Wie den Tyrannen besiegen? Selbst wenn Sie Ihrem Gegner mit einem Schlag die Nase brechen, würde er es nicht merken, er würde sich in seinem Adrenalinrausch auf Sie stürzen, unempfindlich gegen Schmerzen, würde er Sie trotz Ihrer Schläge zu Boden reißen oder sie in irgendeine Ecke oder gegen irgendeinen Zaun quetschen. Er will sie schließlich daran hindern zu flüchten, denn er ist mit ihnen noch nicht fertig....
Sie glauben mir nicht? Denken Sie zurück an Ihre Jugend, wo endeten Schlägereien auf dem Schulhof oder in der Disko? Wie oft rollte man im Schwitzkasten über den Asphalt und hatte dabei einen viel weniger starken und gefährlichen Gegner, als den in unserem Traum. Immer noch nicht überzeugt? Dann schauen Sie sich doch mal einen Boxkampf an. Selbst wenn zwei weltklasse Faustkämpfer aufeinander treffen, muß der Ringrichter andauert eingreifen und den Clinch der Boxer unterbrechen. Zählen sie doch einfach mal mit. Wie oft enden zwei Boxer umklammert in den Ringseilen? Ziemlich oft und je länger ein Kampf dauert, desto öfters enden die Kontrahenten dort. Obwohl beide Sportler über eine extrem hohe Schlagkraft verfügen, die die des durchschnittlichen Kampfsportlers weit übersteigt, enden sie im Nah, bzw. Ringkampf, warum?
Das ist eben, die wie ich es nenne, „Wirklichkeit des Kampfes“. Wenn Sie jemanden Schlagen oder Treten wollen(mit allen denen für Sie entstehenden Nachteilen und Risiken), müssen Sie sich relativ nah an Ihren Gegner heran arbeiten, so nah, daß es nur einen Schritt bedarf, um die Distanz zu überbrücken und in den Clinch zu kommen. Genau das passiert bei Boxkämpfen, immer und immer wieder, bis der Ringrichter einschreitet und die beiden Kämpfer trennt. Das erstaunliche an solch einer Situation ist, das keiner der beiden Boxer bewusst in den Clinch geht. Vielmehr handelt es sich um eine instinktive Schutzfunktion, um den Angriffen des Gegners zu entkommen. Es ist also ein natürliche, angeborene Schutzfunktion des Körpers, sich so vor Schlägen und Tritten zu schützen. Stellen sie sich nun einmal vor das man diese unbewusste Reaktion, nicht wie bei vielen Kampfsportarten durch Regeln unterdrückt, sondern gezielt forciert und trainiert. Wie schnell kann man wohl mit einem Gegner in den Clinch gehen, bzw. ihn zu Boden werfen, wenn man es immer wieder trainiert?
Beim Grappling, die Kampfkunst, die ich ihnen in diesem Buch vorstelle, wird genau diese Art des Kampfes und der Verteidigung geübt. Natürlich gibt es Kämpfe die auch beim Boxen nach wenigen Sekunden durch einen „Lucky Punch“ entschieden werden, aber ein großer Teil endet da, wo das Grappling erst richtig anfängt, im Clinch. Ein Kampf nur mit Schlägen und Tritten zu gewinnen ist eben nicht so leicht wie es uns die Filmindustrie vorgaukelt. Selbst wenn alle „Idealfaktoren“ wie Schlagkraft, Trefferwirkung und perfekte eigene Deckung gegeben sind, muß ich Sie trotzdem enttäuschen. Viele Kämpfe beginnen nämlich schon in der Nahdistanz, bzw. am Boden, denn auf der Straße gibt es keinen Ringrichter, der verhindert das Sie plötzlich von der Seite oder von Hinten, zu Boden gerissen werden. Straßenkämpfe sind niemals fair und oft wird man total überraschend angegriffen. Was wenn Sie auf regennassen Boden ausrutschen, was wenn Sie im Schlaf überrascht werden, im Auto oder der S-Bahn sitzen und angegriffen werden? Selbst wenn sie der 5 Fache Weltmeister aller artistischen Trittkünste wären, hätten sie gar keinen Platz irgendwelche Fußtritte oder ähnliches auszuführen. Die räumliche Enge, lässt es einfach nicht zu.
Wussten Sie, daß z.B. 65% aller sexuellen Straftaten an Frauen und Mädchen von Bekannten und Verwandten begangen werden? Wer garantiert also, daß das potentielle Opfer sich nicht schon in sitzender oder liegender Position befindet, wenn es angegriffen wird? Sie merken schon die Gründe dafür, daß ein Kampf am Boden enden kann sind endlos, denn selten findet ein wirklicher Kampf in einer riesigen Sporthalle statt, die einen rutschfesten Boden und genügend Platz zum Ausweichen bietet. Auch ein Kampfrichter, der darauf achtet, das sich beide Kämpfer immer wieder aus dem Clinch lösen und keiner den anderen überraschend von hinten oder von der Seite angreift wird, wie schon erwähnt, selten anzutreffen sein.
2. Die Untauglichkeit der Mittel
Wissen Sie wieviel Schlagkraft, Schmerztoleranz, Aggressivität und Ausdauer nötig sind um einen größeren und stärkeren Angreifer mit Schlägen und Tritten kampfunfähig zu machen? Viel! Sehr viel! Mehr als der durchschnittliche Anwender einer herkömmlichen Kampfkunst je entwickeln kann. Glauben Sie wirklich ein „normaler“ Familienvater, eine Frau oder sonst irgendjemand, der kein Profikämpfer, Kampfkunst-Lehrer, oder Straßenschläger ist, bringt es fertig seinem Gegner die Nase zu brechen, Ihm ein paar Zähne auszuschlagen und dann seinem blutverschmierten Gegenüber, der sich immer noch wehrt, das Knie solange ins Gesicht zu rammen bis dieser kampfunfähig ist. Ich glaube das ehrlich gesagt nicht. Klingt diese Geschichte für Sie jetzt zu brutal? Nun, das ist Sie auch und genau deshalb sollte man sich vorher genau überlegen was es bedeutet einen Kampf mit Schlägen und Tritten zu führen. Wer das versucht, nimmt nicht nur das Risiko eines gegnerischen Treffers in kauf, sondern wird schnell merken, daß es kaum möglich ist einen Angreifer einfach so kampfunfähig zu schlagen. Spätestens wenn man sich hilflos und erschöpft am Boden liegend wiederfindet, hat man eine Sekunde Zeit darüber nach zu denken, bis man von den Schlägen des Gegners zurück in die Realität geholt und dann weiter ins „Land der Träume“ geschickt wird.
Gehen wir noch mal zurück zu dem eben beschriebenen Szenario. Warum wehrt sich der Angreifer immer noch, auch wenn Sie Ihm schon die Nase gebrochen und ein paar Zähne ausgeschlagen habe? Ganz einfach, weil Schläge und Tritte dem Gegner „lediglich“ Schmerzen zu fügen. Diese Schmerzen sollen Ihn dazu bringen von seinem Angriff abzulassen oder aufzugeben.
Klingt logisch oder? Aber leider ist das Schmerzempfinden bei jedem Menschen unterschiedlich und wird nur subjektiv wahrgenommen. Adrenalin, Alkohol oder andere Drogen, können die Empfindungen für Schmerz nahezu komplett betäuben. Der Gegner wird also erst einige Zeit später merken, daß Sie Ihm die Nase gebrochen haben. Vielleicht erst, nachdem er sie voller Wut zusammengeschlagen hat. Was heißt das also für uns? Ganz einfach, eine Kampfmethode die hauptsächlich auf Schlag, Stoß und Trittechniken basiert, ist für eine für einen körperlich „durchschnittlich“ trainierten Menschen als Selbstverteidigung gänzlich ungeeignet. Sie birgt für den Anwender ein extrem hohes Risiko von den gegnerischen Angriffen selbst getroffen und verletzt zu werden und ein geringes Potential an geeigneten „Werkzeugen“ den Gegner kampfunfähig zu machen. Im Ernstfall können diese Methoden nur für Menschen mit extrem guten körperlichen Eigenschaften (Schlagkraft, Härte, Ausdauer, etc.), funktionieren. Für den Durchschnittsanwender, bzw. die Durchschnittsanwenderin, jedoch sind viele diese Systeme völlig ungeeignet.
Auch das Verletzungsrisiko beim Anwenden dieser Techniken ist extrem hoch, denn neben den Angriffen des Gegners, sind es oft die eigenen Angriffstechniken die Verletzungen nach sich ziehen können. Oder anders gesagt, glauben Sie, das die menschliche Hand dafür konzipiert wurde auf eine hohe Geschwindigkeit zu beschleunigen, um dann abrupt von einem verhältnismäßig stabilen Gegenstand ( z.B. Schädelknochen) abgebremst zu werden? Die ganze Hand besteht aus vielen kleinen Knochen, die allesamt weniger stark sind, wie z.B. der Schädelknochen eines Menschen. Finger, Mittelhand und Handgelenksbrüche treten z.B. beim Boxen immer wieder auf. Wenn trotz starker Bandagen und dicker Handschuhe, die zum Schutz der Hände (und nicht des Gegners, wie es oft angenommen wird) angelegt werden, solche Verletzungen passieren, kann man sich ja vorstellen, was mit einer ungeschützten Hand passiert, die mit voller Wucht, z.B. die Stirn des Gegners trifft. Falls Sie mir nicht glauben, fragen Sie doch einfach mal Ihren Orthopäden, ich bin sicher er kennt genügend solcher hier von mir beschriebenen Fälle aus seiner eigenen Praxis.
Es gibt neben den traumatischen Verletzungen an Händen und auch Füßen, noch ein andere Gefahr, die weitaus schlimmere Folgen haben kann. Die Möglichkeit sich bei einer Auseinandersetzung bei der sehr viel Blut fließt, mit HIV oder Hepatitis-Erregern zu infizieren. Wenn Ihre Hände immer wieder das Gesicht des Gegners treffen und sie sich dabei eine offene Wunde an der Hand zuziehen (z.B. durch die Zähne des Gegners, etc.) kann das Blut Ihres Gegners in diese Wunde eindringen und Sie infizieren. Ich will keine Panik machen, oder ein „Schwarzmaler“ sein, aber zumindest sollten Sie einmal über diese mögliche Gefahr nachdenken, um Sie im Ernstfall zu vermeiden.
Vielleicht sind Sie von vielen Behauptungen dich ich bis jetzt aufgestellt habe ein wenig geschockt, aber Ich habe bewußt eine etwas härtere Wortwahl benutzt, um ihnen zu zeigen, das die herkömmlichen Wege, die Ihnen bisher so vertraut schienen, nicht so sicher sind wie Sie es sich vorstellen. Lassen Sie sich Zeit das Gelesene zu verarbeiten, ich bin sicher Sie werden irgendwann verstehen was Ich schon lange weiß, viele der herkömmlichen Kampfsportarten/Künste, funktionieren nicht so wie man es Ihnen erzählt hat und wenn Sie diesen Artikel gelesen haben werden Sie genau wie Ich auch verstehen warum. Aber dies nur als kleine Zwischenbemerkung und jetzt zurück zu den Fakten.
3. Fehlende realistische Trainingsmethoden
Wissen Sie wie ein Schwimmer trainiert? Richtig er wird jede Menge Zeit damit verbringen im Wasser seine Bahnen zu ziehen. Das gleiche gilt für Läufer, Radfahrer oder Tennisspieler, jeder trainiert hauptsächlich genau das, was er später im Wettkampf auch tun muß. Welche Trainingsmethoden besitzen die meisten Kampfkünste, die wirklich auf den Ernstfall vorbereiten? Es gibt Katas (Formen, Hyongs, etc.). Es gibt vorgeplante Bewegungsabläufe mit und ohne Partner und es gibt Reflexübungen und Übungskämpfe bei dem man den Gegner leicht touchieren darf.
All diese Dinge haben keinen großen Bezug zu wirklichen Ernstfallsituationen. Wissen Sie wie hart und realistisch Boxer und, Thai Boxer trainieren? Härter als sich das die meisten Menschen überhaupt vorstellen können. Diese Leute wissen was es heißt hart getroffen zu werden und hart zu treffen. Sie kennen den Adrenalinrausch, die Erschöpfung und den Schmerz die in einer wirklichen Kampfsituation passieren können. Genau deshalb habe Ich vor dem Training dieser Leute sehr viel mehr Respekt, als vor den „Schattenkämpfen“ vieler herkömmlicher Systeme. Aber auch diese realistischen Trainingsmethoden haben einen Nachteil, sie sind nicht für den Durchschnittsanwender oder die Durchschnittsanwenderin geeignet. Keiner der am nächsten Tag seinem Beruf nachgehen muß, kann es sich leisten dauernd mit einem „blauen Auge“ oder einer geschwollenen Nase herum zu laufen. Außerdem trainieren wir alle um uns fit und gesund zu halten und ein gutes Körpergefühl zu haben, traumatische Verletzungen des Körpers und des Kopfes sind dem nicht unbedingt sehr zuträglich.
Dieses „Hardcore“ Training ist also nur für eine kleine Gruppe von extrem motivierten Sportlern geeignet. Was heißt das? Nun, der „normale“ Anwender einer Schlag und Trittkunst, muß ohne Adrenalinrausch und ohne wirklichen Körperkontakt beim Training auskommen. Er wird nie wissen was reales Kämpfen bedeutet, bis er es vielleicht (hoffentlich nicht) eines Tages schmerzlich erfährt. Die entspannte Atmosphäre einer Kampfkunst-Schule, ist nicht mit dem adrenalingetränkten Szenario eines wirklichen „Straßenkampfes“ zu vergleichen. Adrenalin verändert die Physiologie, die eigene und die des Gegners. Der Puls rast, das Schmerzempfinden wird geringer, die Muskelspannung verändert sich. In dieser Situation bilden Angst, Wut, die Informationen der Sinnesorgane(.....sieht der aber gefährlich aus und wie laut er schreien kann......) und das eigene Selbstbild(für wie stark hält man sich selber?) einen Zustand der völlig anders ist, als Ihn ein Kampfsportler je in einem „normalen“ Training erleben wird.
Ein weiterer Punkt dem selten Beachtung geschenkt wird ist, daß ein Schlag oder ein Tritt den man nur antäuscht oder gegen ein Polster ausführt, etwas völlig Anderes ist, als ein wirklich, mit voller Kraft ausgeführter Schlag, gegen einen sich freibewegenden Gegner. Einen angetäuschten Schlag oder Tritt kann man viel schneller ausführen, als einen wirklichen Angriff, weil man die Kraft nicht in den Gegner überträgt, sondern sein Arm oder Bein sofort wieder zurück zieht.
Außerdem setzt man sein Körpergewicht (was dem Angriff mehr wirkliche Kraft geben würde) nicht ein, so daß ein „Fake-Angriff“ viel schneller ist, toll aussieht, ein gutes Gefühl gibt, aber in Wirklichkeit kraftlos und damit auch nutzlos ist.
Genau deswegen sehen Box und Thaibox-Kämpfe oft auch so „unsauber“ und eher „langsam“ aus, während z.B. die traditionellen Wettkämpfe z.B. im Shotokan Karate so dynamisch und schnell aussehen. Die Ersten kämpfen nämlich mit wirklichem Kontakt und versuchen kraftvolle Treffer zu landen, während die Letzteren eher eine Art Kunstform darbieten, deren Ergebnis von Kampfrichtern bewertet wird.
Viele der herkömmlichen Stile habe also kaum wirklich effektive Trainingsmethoden die auf den Ernstfall vorbereiten. Einige Systeme wie z.B. das Thaiboxen oder Boxen, haben gute Trainingsmethoden, die allerdings für den durchschnittlich motivierten Menschen kaum anwendbar sind. Der Grund dafür ist einfach, wer sich mit Tritten und Schlägen verteidigen will, muß im Training wirklich hart angreifen und wird auch dementsprechend von seinem Gegner, bzw. Trainingspartner angegriffen. Verletzungen bleiben bei solchen Trainingsmethoden nicht aus. Nachdem Ich Ihnen jetzt wirklich jeden Nachteil der vielen„normalen“ Kampfkünste aufgelistet habe, können Sie jetzt zurecht fragen, was ist z.B. mit Mike Tyson, der kann sich doch sicher wehren oder?
Meine Antwort darauf ist einfach, ist Mike Tyson ein durchschnittlicher Kampfkunst-Anwender? Nein, er ist ein Hochleistungssportler, Ausnahmeathlet und ist mental total anders eingestellt wie ein 40 jähriger Familienvater mit 2 Kindern. Natürlich kann er sich verteidigen, aber er stellt nicht die Masse der normalen Kampfsportler da. Trotz seiner großartigen Fähigkeiten gelten auch für ihn all die Nachteile der herkömmlichen Stile. Natürlich als Boxer verfügt er, wie gesagt über bessere Trainingsmethoden als die meisten anderen Stile, aber wenn Sie mich fragen ob Mike Tyson der beste Kämpfer der Welt ist, würde Ich verneinen. In einem Kampf zwischen Ihm und dem Schwergewichts-Weltmeister im Freistil-Ringen würde Ich mein Geld auf den Ringer setzen. Weshalb? Weil die Ringkampf und Grappling Stile in der Vergangenheit und bis heute immer wieder bewiesen haben, wie unglaublich effektiv sie sind. Egal ob in den Arenen der Antike oder in den Straßen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, in Kämpfen ohne sportliche Regeln waren es die Vertreter dieser Stile, die immer wieder große Siege feierten.
Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, das jetzt einige Leser, die vielleicht schon jahrelang eine „schlagende“ Kampfkunst betreiben etwas verärgert und ungläubig über das Gelesene denken werden, aber ich möchte sie herzlich bitten einmal wirklich objektiv über die Ideen und Konzepte in diesem Buch nachzudenken. Ich weiß wie schwer es ist altgediente Glaubenssätze und Vorstellungen zu verändern, aber wenn sie einmal den Mut haben, sich diesen neuen Prinzipien zu stellen, wird sie das Grappling genauso begeistern wie mich. Ich hoffe sie lesen jetzt weiter, denn nachdem ich jetzt so peinlich genau jeden Nachteil vieler schlagender und tretender Kampfkünste aufgezählt habe, kommen wir jetzt zum Umkehrschluss, nämlich zu den Faktoren einer idealen Selbstverteidigung, bzw. Kampfkunst.

     
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