Mental
Attitude – Die Strategie des Kämpfens
In diesem Artikel werde Ich Ihnen erklären wie die Strategie
und Taktik des Grappling aufgebaut ist. Sie werden zum Spieler,
zum Strategen der seine Schachfiguren auf dem Brett bewegt
ohne selbst in den Kampf involviert zu sein. Ich habe noch
nie eine Kampfkunst erlebt, die eine so ausgeklügelte
und komplette Strategie besitzt wie das Grappling. Von dem
Moment an wo der Kampf beginnt, bis zur Aufgabe des Gegners
folgt der Anwender seiner Strategie besiegt seinen Gegner
Zug um Zug, bis zu dem Punkt der Aufgabe, bzw. Kampfunfähigkeit.
1. Der Kampf beginnt:Der Grappler befindet sich außerhalb
der Reichweite seines Gegners. Er taxiert den Gegner, seine
Statur und die Struktur seiner Bewegungsmuster geben Aufschluß
über das weitere eigene Vorgehen. Kann der Gegner gut
Schlagen und Treten, ist er ein Ringer, ein Straßenschläger?
All das prägt diese erste Phase. 95% aller Gegner auf
der Straße haben keine Ahnung von Ringkampf oder Grappling.
Die meisten Straßenschläger sind hinterhältig
und können gut zuschlagen, mit dieser Einschätzung,
bleibt man am besten passiv, außerhalb der gegnerischen
Schlagdistanz und wartet bis der Gegner angreift und sich
exponiert. Dann verkürzt man die Distanz und geht in
den Clinch, bzw. direkt zu einem Takedown über. Der Grappler
spielt sein Spiel und läßt sich nicht auf das seines
Gegners ein. Wenn sein Gegner größer und stärker
ist, wäre es schließlich völlig sinnlos Schläge
und Tritte mit Ihm auszutauschen. Der Clinch ist in solchen
Kampfsituationen die sinnvollste und sicherste Lösung.
Selbst wenn der Gegner wie bereits erwähnt körperlich
stärker ist, greift die Strategie des Grappling. Im Clinch
geht es zu aller erst einmal darum nicht getroffen zu werden.
Je mehr der Gegner versucht sich daraus zu befreien oder Schläge
anzubringen, desto schneller wird er müde, ist ausgepowert
und verliert sein Gleichgewicht. Der Grappler hingegen, wartet
ab, bleibt einfach nur an seinem Gegner kleben, folgt den
Bewegungen des Gegners, so das der keine Distanz für
einen effektiven Schlag bekommt. Die meisten Angreifer versuchen
sich völlig sinnlos aus dem Clinch zu befreien und ermüden
schon nach kurzer Zeit. Sobald das passiert ist auch ein 30
Kilo schwererer Gegner völlig hilflos und der Grappler
kann Ihn ganz einfach zu Boden bringen und eine stabile Position
einnehmen. Wissen sie wie es sich mit der Kampfkraft, bzw.
Ausdauer verhält? Man steigert das Tempo und irgendwann,
wenn der Punkt der Erschöpfung erreicht ist, gibt es
einen ziemlich schnellen Leistungsabfall. Allerdings merkt
man das erst, wenn es schon zu spät ist. Selbst erfahrenen
Profisportlern, wie z.B. Boxern, passiert es, daß sie
während eines Kampfes ein zu hohes Tempo gehen und plötzlich
total ausgepowert sind und den Kampf aufgeben müssen.
2. Der Kampf geht zu Boden:
Wenn man einen Gegner hat der kein Grappler oder Ringer ist,
endet man meist in einer aggressiven Position, d.h. in der
Side Mount oder Mount Position. Man nimmt sich Zeit und stabilisiert
zu aller erst die erreichte Position, dies ist sehr wichtig,
weil ein Angreifer der es nicht gewohnt ist am Boden zu kämpfen,
mit totaler Panik reagieren wird. Er versucht also mit aller
Gewalt sich aus seiner Lage zu befreien. Wenn man den Gegner
aus in der Side Mount oder Mount Position kontrolliert, hat
er kaum eine Chance effektiv anzugreifen, es besteht also
kein Grund hektisch zu werden, man relaxed und wie im Stand
auch, läßt man den Gegner sich selber auspowern.
Wie glauben Sie fühlt sich jemand, der sich verzweifelt
gewehrt und sich dabei völlig „ausgepumpt“
hat und auf dem zusätzlich noch 60, 70 oder auch mehr
Kilo, sprich der Grappling-Anwender liegt? Nicht besonders
gut, wahrscheinlich. Falls der Gegner einem körperlich
so überlegen ist, daß man die Guard Position einnehmen
mußte und sich nun auf dem Rücken liegend unter
seinem Gegner befindet ist das auch kein Problem. Man bleibt
eng, kontrolliert den Angreifer, gibt Ihm keine Distanz für
seine Schläge und keinen Halt um eine effektive Angriffsposition
aufzubauen. Das Prinzip ist das gleiche, man kontrolliert
seine Atmung, bleibt relaxed und wartet darauf bis der Gegner
sich ausgepowert hat. Natürlich kann man mit einigen
Techniken den Prozeß der Ermüdung noch weiter zu
beschleunigen, Fersenschläge in untere, seitliche Rückenpartie
und gegen die Oberschenkel und Faustschläge an den seitlichen
Kopf, bzw. den Nacken, tun Ihr übriges. Diesen Techniken
fehlt zwar die Distanz um wirklich zerstörerische Kraft
zu generieren, die Effizienz dieser Techniken liegt jedoch
auch nicht in Ihrer Kraft, sondern in der steten Wiederholung.
Nach dem hundertsten oder zweihundertsten Fersen- bzw. Faustschlag
wird der Gegner nicht mehr soviel Widerstandskraft haben und
mit Wut, Erschöpfung und Frustration auf diese Angriffe
reagieren, was zur Folge hat das er mehr und mehr Fehler macht.
Diese Fehler nutzt der Grappler um den Kampf zu seinen Gunsten
zu entscheiden.
Hat man einen gravierenden Fehler gemacht und man endet in
einer passiven Position, d.h. der Gegner hat die Mount bzw.
Side Mount Position erreicht, ist es wichtig dem Gegner keine
Distanz für seine Schläge zu geben. Sobald der Gegner
jedoch zuschlägt, exponiert er sich etwas und verliert
dabei an Stabilität. Genau diesen Moment muß der
Grappler nutzen um sich aus der defensiven Position zu befreien.
Aus einer passiven Position heraus ist es völlig sinnlos
zu Schlagen, den man hat kein günstiges Hebelverhältnis
um den Schlägen Wirkung zu verleihen. Das Einzige was
man damit erreicht, ist es den Gegner zu ermutigen auch zu
Schlagen, was für Ihn gut, für den Grappling Anwender
aber fürchterlich sein kann. Wenn man sich in einer defensiven
Position befindet, sollte man also die Aggression immer so
gering wie möglich halten. Man kann von dort aus den
Kampf nicht gewinnen. Die Strategie liegt darin, sich aus
der defensiven Position erst zu befreien und sich in eine
aggressive Position zu bringen, von wo aus man den Kampf beenden
kann.
3. Den Kampf beenden:
Der Grappler hat seinen Gegner systematisch müde gemacht
und sich Schritt für Schritt in eine bessere Position
gebracht. Er hat es geschafft einen aggressiven, gefährlichen
Angreifer zum Punkt der absoluten Hilflosigkeit zu bringen.
Jetzt ist es Zeit den „Job“ zu Ende zu bringen
und den Kampf endgültig zu beenden. Man nutzt einen Fehler
des Gegners, oder provoziert gezielt eine Reaktion, die man
nutzen kann um einen Aufgabegriff anzusetzen. Das beenden
des Kampfes ist nur die Spitze des Eisbergs, daß was
der Außenstehende mitbekommt. Die Vorbereitung, das
systematische Ermüden, ist der weitaus größere
Teil, der aber kaum von außen zu erkennen ist. Die Strategie
des Grappling läßt sich am besten mit folgendem
Beispiel verdeutlichen:
Ein Marathonläufer und ein Sprinter machen einen Wettlauf,
wer gewinnt? Kann der Marathonläufer den Sprinter überholen?
Vielleicht. Stellen Sie sich vor der Wettlauf hat ein Zeitlimit
von 10, 20 oder 30 Sekunden. Wer wird gewinnen? Mit 99% Sicherheit
wird es der Sprinter sein. Er hält einfach die Geschwindigkeit
des Marathonläufers und sobald dieser versucht anzugreifen,
sprintet er los und gewinnt. Vielleicht rennt er auch direkt
mit voller Geschwindigkeit los und läßt dem Marathonläufer
nicht einmal das Gefühl einer Chance.
Aber was, wenn es kein Zeitlimit gibt? Der Sprinter hat keine
Chance. Egal ob nach einer, zehn oder zwanzig Minuten, er
wird müde werden, ist ausgepowert. Der Marathonläufer
kann Ihn ganz leicht überholen, den der Sprinter kann
seine Stärken jetzt nicht mehr ausspielen.
Das gleiche Prinzip gilt für das Grappling, der Schwache
besiegt den Starken indem er die direkte Konfrontation vermeidet
und im Laufe der Zeit immer mehr die Vorteile des Starken
neutralisiert. Aus diesem Grund ist das Grappling ein defensives
System, man lernt sich zuerst zu schützen und sich aus
allen möglichen Gefährlichen Situationen zu befreien.
Der Angreifer kann den Grappling Anwender nicht kontrollieren
und verausgabt sich beim Versuch dies zu erreichen. Wenn er
müde geworden ist, vertauschen sich die Rollen und der
vorherige Jäger, also Angreifer, wird plötzlich
zum Gejagten, der Grappler kontrolliert so den Angreifer:
Wie sie merken hat Grappling vielmehr mit Strategie als mit
purer Muskelkraft zu tun und genau darin liegt auch die Effizienz
dieser Kampfkunst.
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