Die
Geschichte des Grappling
Die Wurzeln des Grappling reichen zurück bis ins alte
Ägypten und die griechische Antike, sie hinterließen
ihre Spuren auf allen Kontinenten und bei allen Völkern
der Erde. Es ist unmöglich die Geschichte einer Kampfkunst,
die älter ist als unsere Zeitrechnung und auf dem ganzen
Planeten existierte, komplett zu rekonstruieren, aber fest
steht, dass es sich beim Grappling um die vielleicht älteste
Kampfkunst der Menschheitsgeschichte handelt. Viel Wissen
ist im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und
erst heute, mehr als 5000 Jahre später fängt man
wieder an, die Zusammenhänge dieser Kampfkunst besser
zu verstehen. Wo also liegt die Wiege dieser Kampfkunst? Ich
denke das die Geschichte des Grappling ganz eng mit der Entwicklung
des Menschen verbunden ist. Wie ich schon anderer Stelle erwähnt
habe, bin ich ziemlich sicher, dass das Grappling eine natürliche
Kampfkunst ist, ein körpereigenes Verteidigunssystem
sozusagen. Die Grundzüge des Grappling sind also in jedem
Menschen bei der Geburt als natürlicher Reflex vorhanden.
Beobachten sie doch einmal die Bewegungen von Babys, wenn
sie z.B. versuchen aufzustehen, oder sich am Boden bewegen.
Sie unterscheiden sich völlig von den Bewegungen eines
erwachsenen Menschen. Ein Kind benutzt seine Arme und Beine
gleichermaßen, während ein Erwachsener Mensch,
hauptsächlich seine Arme benutzt um sich am Boden zu
Bewegen, oder aufzustehen. Wenn z.B. Affen, die von ihrer
Anatomie her, sehr dem Menschen ähneln, geboren werden,
verbringen sie ihre ersten Lebensjahre mit spielerischen Klettern
und Ringkämpfen. Natürlich ist das eine Art Spiel,
aber glauben sie mir, wenn ein ausgewachsener Gorilla ernst
macht, werden aus diesen spielerischen Bewegungen sehr gefährliche
Waffen. Menschen jedoch verlernen diese Fähigkeit im
Laufe der Jahre, weil sie nicht gefördert wird.
Kommen wir aber zurück zum eigentlichen Thema. Ich denke
also, daß es seit der Entstehung des Menschen, Formen
des Grappling gab. Aufgrund ihrer hohen Kultur, waren es aber
die Ägypter und Griechen, die erste Aufzeichnungen über
diese Kunst machten. In ägyptischen Königsgräbern,
findet man z.B. Höhlenmalereien, die dies belegen. Auch
im berühmten Gilgamesh Epos wird über ein Ringkampf
zwischen Enkidu und sumerischen Kriegern berichtet. Für
die Ägypter und Mesopotamier war das Grappling eine Form
der Körperertüchtigung, die aber gleichzeitig auch
die Kampfstärke ihrer Krieger erhöhte. Über
Kreta kam es dann nach Griechenland wo das Grappling erstmals
in verschiedene Stile zerfiel. Bei den Olympischen Spielen,
gab es eine Form des Ringkampfes, die dem heutigen griechisch-römischen,
bzw. dem Freistil Ringen ähnelte und deren Ziel es war
den Gegner zu Boden zu werfen. Außerdem gab es das Pankration,
eine Kampfkunst die man als direkten Vorfahre des heutigen
Grappling bezeichnen kann. Bei diesem Stil war alles erlaubt
um den Gegner zur Aufgabe zu zwingen und so gab es eine ganze
Reihe von Wurf, Hebel und Würgetechniken, die den heutigen
schon sehr ähnelten. Schaut man sich z.B. einmal alte
Zeichnung an, wird man erstaunt darüber sein, wie viele
Griffe, schon damals bekannt waren. Wer weiß, vielleicht
wußten diese antiken Experten des Zweikampfes noch viel
mehr als die heutige Generation von Grapplern. Auch im alten
Rom, existierte das Grappling weiter. Die berühmt-berüchtigten
Gladiatorenkämpfe, waren nichts anderes als eine verschärfte
Form des Pankration, bei der oft auch noch die verschiedensten
Waffen zugelassen waren. Die Evolution des Grappling funktionierte
nach der natürlichen Auslese. Nur die besten Gladiatoren
überlebten und nur ihr Stil wurde weiter an die nächste
Generation weiter gegeben. Aber während es bei den Griechen
als eine Kunst und auch Königsdisziplin ihrer Olympischen
Spiele betrachtet wurde, machten die Römer daraus ein
brutales Blutspektakel, indem sie den Kämpfer scharfkantige
oder mit Haifischzähnen bestückte Handschuhe und
Bandagen anlegten. Mit dem Untergang des römischen Reiches,
verschwand auch das Grappling hier in Europa für einige
Zeit aus der Öffentlichkeit
Im Mittelalter gab es auch in Deutschland verschiedene Formen
des Grappling , so gab es z.B. das deutsche Freiringen, oder
den Landsknecht-Kampf, ohne Frage die Urväter des Grappling
hier in Mitteleuropa. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das
erste Buch veröffentlicht, indem Griffe und Techniken
aufgezeichnet waren, die dem modernen Grappling sehr ähnelten.
Im 18. und 19. Jahrhundert gab es in ganz Europa und auch
Amerika, professionelle Ringkämpfer die auf Jahrmärkten
und im Zirkus ihr Können zur schau stellten. Die Techniken
die diese Athleten anwendeten, waren aber keinesfalls sportliche
Ringkampf-Techniken, wie wir sie z.B. von den Olympischen
Spielen der Neuzeit kennen. Es waren auch keine Showtechniken,
wie sie heute im sogenannten professionellen Wrestling verwendet
werden. Nein, es waren äußerst wirkungsvolle Griffe,
die das Ziel hatten den Gegner zur Aufgabe zu bringen, ähnlich
dem was heute in Grappling Schulen unterrichtet wird.
Obwohl die asiatischen Kampfkünste, hauptsächlich
für ihre spektakulären Tritte und Schläge berühmt
sind, gab es auch dort Formen des Grappling. Der Vater des
modernen Judo war das Jiu Jitsu. Während das Judo und
die heutigen Formen des Jiu Jitsu oder Ju Jutsu, hauptsächlich
sportliche Aspekte haben, war das Kosen Judo und das ursprüngliche
Jiu Jitsu der Samurai eine effektive Kampfkunst, es war so
zu sagen die japanische Variante des Grappling. Auch in Holland,
Rußland, den Philippinen und Nordafrika gibt es verschiedene
altertümliche Formen des Grappling. Einige haben sich
weiter entwickelt, andere sind in Vergessenheit geraten und
wieder andere wurden zu Sportarten mit festen Regeln und Statuten.
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Brasilien
eine Kampfkunst, die dafür verantwortlich war, daß
70 Jahre später eine Revolution begann, die die Wiedergeburt
des Grappling einläutete und es erstmals seit vielen
Jahrhunderten wieder vereinte. Helio Gracie, lernte die alte
Form des japanischen Jiu Jitsu und entwickelte daraus das
Brasilianische Jiu Jitsu. 1993 waren es seine Söhne,
die in öffentlichen Vergleichskämpfen, in denen
es fast keine Regeln gab, die Vertreter der unterschiedlichsten
Kampfkünste besiegten. Die Popularität des Brazilian
Jiu Jitsu, ließ auch das Interesse an anderen Formen
des Grappling wachsen und so mischten sich Stile wie Sambo,
Shoot-Wrestling, Freistilringen, etc. mit dem Brasilianischen
Jiu Jitsu. Innerhalb von nur wenigen Jahren, entstand eine
Form des Grappling, wie es sie seit langer Zeit nicht mehr
gab. Im Zeitalter der Globalisierung, wurde es möglich
die Kampfkünste aus den verschiedensten Erdteilen miteinander
zu verbinden und so dem Grappling zu neuem Glanz zu verhelfen.
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