Der
Bodenkampf, die vergessene Distanz
Der Kampf in der Bodenlage ist wohl das hervorstechendste
Merkmal des Grappling. Wie schon öfters erwähnt,
enden fast 95 % aller wirklichen Kämpfe am Boden. Trotz
dieser Tatsache wird der Bodenkampf in fast allen Kampfkünsten
ignoriert.
Das was man beim Grappling unter Bodenkampf versteht, hat
nichts mit ein paar zusammengewürfelten Tricks und Griffen
zu tun, es ist eine systematische Wissenschaft. Der Gegner
wird zuerst kontrolliert und dann Zug um Zug zur Aufgabe gebracht.
Entscheidend ist dabei nicht „rohe“ Muskelkraft,
sondern das herbeiführen günstiger Hebelverhältnisse,
das Erfühlen der gegnerischen Kraft und die richtige
Strategie, kombiniert mit dem Wissen um die Schwachpunkte
der menschlichen Anatomie.
Ziel ist es, die Fehler des Gegners zu nutzen, seine Angriffskraft
zu neutralisieren und sich selber in eine sichere Position
zu bringen, um von dort aus einen Aufgabegriff (Arm / Beinhebel,
Würgegriff, etc.) anzusetzen. Es geht also nicht darum
den Gegner am Boden durch die eigene Muskelkraft zu dominieren
und seine Angriffsversuche mit eigenen aggressiven Attacken
zu zerstören, denn diese Art des Kämpfens wäre
für Menschen mit einem normalen Körperbau kaum möglich.
Der Schlüssel zum Erfolg beim Grappling liegt eben in
dem systematischen vorgehen und beachten all seiner Prinzipien.
Gehen wir also nun einmal ins Detail und betrachten die Konzepte
des Grappling einmal genauer.
I.
Die Bodenpositionen
Das erste Konzept ist das der verschiedenen Bodenpositionen.
Innerhalb einer Konfrontation ist es für einen Grappler
das Primärziel, sich aus einer schlechten Position zu
befreien, bzw., in eine vorteilhafte Position zu gelangen.
Bevor man also einen Aufgabegriff ansetzt, muß man zuerst
einmal eine starke Position erreichen um den Gegner zu kontrollieren.
Warum? Ganz einfach, weil es wesentlich einfacher und sicherer
ist, einen Gegner, der sich in einer für ihn schlechten
Position befindet, aus einer starken Position heraus zu besiegen.
Sie befinden sich im Gleichgewicht und kontrollieren die Beweglichkeit
ihres Gegners, während dieser erheblich in seiner Bewegungsfreiheit
eingeschränkt ist. Für ihren Gegenüber ist
es dann natürlich kaum möglich sich effektiv zu
verteidigen oder gar anzugreifen. Dies ist eines der wichtigsten
Prinzipien im Bodenkampf-Konzept des Grappling.
Wir unterscheiden deshalb zwischen aggressiven und defensiven
Positionen. Aggressive Positionen, sind solche, aus denen
wir angreifen und den Kampf beenden können. Das Primärziel
bei defensiven Positionen ist es, sich aus ihnen zu befreien
und in eine aggressive Position zu gelangen. Natürlich
gibt es Einzelfälle, bei denen man auch aus einer aggressiven
Position besiegt wird, oder den Gegner aus einer defensiven
Position heraus zur Aufgabe zwingen kann, aber dies sind wie
gesagt Ausnahmen.
Die Merkmale von aggressiven Positionen sind:
-man befindet sich in einer stabilen Position und ist im Gleichgewicht
-die Bewegungsfreiheit des Gegners ist erheblich eingeschränkt,
er fühlt sich sehr unwohl in seiner Position
-man hat verschiedene Möglichkeiten, um Aufgabegriffe
anzusetzen
-der Gegner hat nur geringe Chancen einen Aufgabegriff anzusetzen
-man kann diese Position halten, ohne dabei viel Kraft und
Energie zu verschwenden.
Hier nun die individuellen Merkmale jeder einzelnen Bodenposition:
a) Die Mount Position
Wenn Ich die Wahl hätte, einen Kampf aus einer bestimmten
Position heraus zu beginnen, würde Ich immer die Mount
Position wählen. Es ist die beste Position, um einen
Gegner zu kontrollieren, bzw. zu besiegen. Man sitzt auf der
Brust des Gegners und drückt seine Knie unter seine Achseln.
Der Körper ist flach auf dem Boden und die Arme sind
gespreizt. Man preßt seine Brust auf die des Gegners
und macht dabei ein leichtes Hohlkreuz. Diese Position gleich
einem Tisch mit vier Tischbeinen und ist deshalb so stabil.
In dieser Situation hat man die Schwerkraft auf seiner Seite
und hat außerdem die Möglichkeit den Gegner mit
gezielten Schlägen zu treffen, während der Gegner
nicht die Möglichkeit hat effektiv zurückzuschlagen.
Die Wirkung der eigenen Gewichtskraft sollte man nicht unterschätzen,
denn desto länger sie ihren Gegner aus der Mount Position
heraus kontrollieren, desto mehr wird er durch ihr eigenes
Körpergewicht zermürbt. Es fällt ihm schwer
zu atmen und er neigt zu Panikreaktionen, die ihn offen für
ihre Angriffe werden lassen. Man hat also alle Vorteile auf
seiner Seite. Die Effektivität dieser Position liegt
zu einem großen Teil auch darin, daß man auf dem
Oberkörper des Gegners sitzt und seine Bewegungsfreiheit
so extrem einschränkt, Da fast alle Würge oder Hebeltechniken
den Einsatz des ganzen Körpers erfordern, ist es so für
den Gegner der sich in der Rückenlage befindet, kaum
möglich wirksame Angriffe zu starten. Wie z.B. soll jemand
einen Armhebel ansetzen, dessen Oberkörper fast unbeweglich
auf dem Boden liegt und der zusätzlich durch die Gewichtskraft
seines Gegners kontrolliert wird? Das gleiche gilt natürlich
auch für Schlag und Stoßtechniken. Während
der Grappling Anwender aus der Mount Position heraus genug
Distanz und Stabilität besitzt, kraftvolle Schläge
zu generieren, hat sein Gegner weder Platz noch den richtigen
Halt, effektive Schlagtechniken anzusetzen.
Die Mount Position ist sozusagen, der „König aller
Positionen“
b) Die Cross-Mount Position
Die Cross-Mount Position ist eine sehr gute Position um den
Gegner zu kontrollieren und ihn zu ermüden. Aus dieser
Position heraus hat man die Möglichkeit, das eigene Körpergewicht,
genau auf der Brust, bzw. auf dem Solar-Plexus Bereich des
Gegners zu konzentrieren. Außerdem ergeben sich in dieser
Position sehr viele Aufgabegriffe, besonders Armhebel. Für
einen Grappler gibt es in dieser Position grundsätzlich
zwei Primärziele:
1. Die Möglichkeit für einen Aufgabegriff
2. Eine Lücke in der Abwehrarbeit seines Gegners zu finden
um von der Cross-Mount in die Mount Position zu gelangen.
Die Cross-Mount Position besteht aus verschiedenen Unterpositionen,
bei denen man sich fast immer quer, also im 90° Winkel
über dem Gegner befindet. Die eigenen Arme und Beine
kombiniert mit dem Körpergewicht, arbeiten wie kleine
Haken, die den Gegner daran hindern sich zu bewegen Durch
das ständige Verändern dieser „Haken“
und seiner eigenen Masse kommt der Kontrollefekt zustande.
Während man in der Mount Position, sein eigenes Gewicht
hauptsächlich auf den vier Extremitäten verteilt,
hat man in der Cross-Mount Position, die Möglichkeit
sein Gewicht zu einem Großteil auf den eigenen Oberkörper
zu konzentrieren und so den Gegner mit dem eigenen Oberkörper
stärker zu belasten. Die Arme und Beine haben in der
Cross-Mount Position also eher eine kontrollierende Funktion.
Während das Körpergewicht den Gegner belastet, hindern
die Arme und Beine ihn daran sich zu bewegen, bzw. sich aus
dieser Lage zu befreien. Während man aus der Mount Position
sehr viele Möglichkeiten hat, den Gegner mit den Faustschlägen,
bzw. mit Kopf und Ellebogentechniken anzugreifen, eignet sich
die Cross-Mount Position eher für kurze Ellbogen und
Kniestöße, zum Kopf und Oberkörper des Gegners.
Die Cross Mount Position ist die „Position der 1000
Möglichkeiten“ sie nimmt deshalb während eines
Kampfes eine zentrale Rolle ein und kann oft über Sieg
und Niederlage entscheiden.
c) Guard Position
Die Guard Position ist Die für mich persönlich eines
der faszinierendsten Konzepte innerhalb des Grappling. Während
man bei der Mount und Cross-Mount Position den Gegner von
oben, also mit Hilfe der Schwerkraft, bzw. dem eigenen Körpergewicht
kontrolliert, befindet man sich in der Guard Position auf
dem Rücken und hält den Gegner, der sich auf einem
befindet mit den Beinen umklammert. Gerade für körperlich
schwächere Personen ist diese Position sehr gut geeignet.
Durch das enge Umklammern mit Armen und Beinen, ist es dem
Gegner kaum möglich anzugreifen, während einem selber
sehr viele Aufgabegriffe zur Verfügung stehen. Die Effektivität
der Guard Position liegt also darin, daß man, weil man
ja auf dem Rücken liegt, Arme und Beine gleichermaßen
einsetzen kann. Während in den zwei vorher beschrieben
Positionen, Arme und Beine zumindest teilweise (oft auch zu
einem großen Teil ) dazu genutzt wurden das eigene Körpergewicht
zu tragen, haben die Extremitäten in der Guard Position
fast ausschließlich eine kontrollierende Aufgabe. Man
nutzt die eigenen Beine wie seine Arme und zieht, drückt,
bzw. klammert seinen Gegenüber, um ihn in seiner Bewegungsfreiheit
einzuschränken. Der Gegner, der sich in der oberen Position
befindet, muß also mit seinen beiden Armen gegen vier
Extremitäten kämpfen, während er gleichzeitig
erheblich in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist und
ständig aufpassen muß nicht sein Gleichgewicht
zu verlieren. Für einen Grappler ergeben sich trotzdem
er in der Rückenlage ist, sehr viele Angriffsmöglichkeiten.
Neben Würgegriffen und Arm, bzw. Beinhebeln, hat man
aus auch noch die Möglichkeit, seinen Gegner mit einer
Fegetechnik aus dem Gleichgewicht zu bringen und so in die
Cross-Mount oder Mount Position zu gelangen. Neben kurzen
Schlägen, Kopfstößen und Ellebogentechniken,
hat man die Chance mit Fersentritten, den Rücken, bzw.
die Beine des Gegners der sich innerhalb der Guard Position
befindet anzugreifen. Während man aus der Mount, bzw.
Cross Mount Position seinen Gegner mit Schlägen direkt
Kampfunfähig machen kann, sind die Schläge aus der
Guard Position weniger kraftvoll. Allerdings haben sie auch
nicht den K.O. des Gegners zum Ziel, sondern sollen ihn auf
lange Sicht hin ermüden und demoralisieren, damit er
seinen Kampfgeist verliert und Fehler macht.
Diese Fehler geben dem Grappler dann die Möglichkeit
einen Aufgabegriff anzusetzen und den Kampf aus der Rückenlage
heraus zu gewinnen. Wie auch die Cross-Mount Position besteht
die Guard Position aus verschiedenen „Unterpositionen,
die miteinander kombiniert werden und so den Gegner immer
wieder aus dem Gleichgewicht bringen. Somit wird ihm ständig
die Grundlage für effektive Gegenangriffe entzogen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Guard Positionen:
1. Die geschlossene Guard Position
Man klammert sich so eng an den Gegner, das dieser keine Distanz
mehr hat, effektive Schläge einzusetzen. Diese Position
eignet sich besonders zu Beginn eines Kampfes, wenn der Gegner
noch voller Energie und Angriffslust steckt und versucht mit
aggressiven Schlägen und Kopf bzw. Ellebogenstößen
den Kampf zu entscheiden. Es ist primär eine defensive
Guard Position, aus der sich allerdings auch einige Möglichkeiten
für Aufgabegriffe ergeben.
Sie müssen sich immer darüber im Klaren sein, das
ein wirklicher Kampf ohne jegliche Regeln die verschiedensten
Facetten hat. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig sich dieser
ständig wechselnden Realität immer wieder neu anzupassen,
die verschieden Formen der Guard Position spiegeln genau dieses
Konzept wieder.
2. Die offene Guard Position
In dieser Position kontrolliert man mit seinen Händen
und Füßen, die Extremitäten des Gegners. Man
befindet sich außerhalb der gegnerischen Schlagdistanz
und versucht den Gegner daran zu hindern an den eigenen Beinen
vorbei zu kommen, bzw. effektive Schläge anzusetzen.
Durch die relativ große Distanz zum Gegner ergeben sich
auch mehr Möglichkeiten einen Aufgabegriff anzusetzen,
oder den Gegner mit einem Fußtritt direkt K.O. zu treten.
Während man mit der offen Guard Position kämpft,
ist es wichtig, die Beweglichkeit des eigenen Körpers
zu erhalten und ständig der Kraft des Gegners nachzugeben,
bzw. diese auszunutzen.
Im Ernstfall kombiniert man diese beiden Guard Positionen
fließend miteinander und es ergeben sich viele Unterpositionen,
die dem jeweiligen Kampfverlauf angepaßt sind. Es gibt
innerhalb des Grappling keine vorgeplanten Bewegungsmuster,
alles passiert spontan, man fließt sozusagen mit der
Kraft des Gegners. Keine Position verdeutlicht dies besser
als die Guard Position.
Während bei den meisten traditionellen Ringkampf-Systemen
der Kämpfer verliert, der mit beiden Schultern den Boden
berührt, ist das Kämpfen aus der Rückenlage
heraus ein Privileg der Grappling Stile.
Es ist eine Art „Geheimwaffe“, denn welcher Gegner
rechnet schon damit besiegt zu werden, wenn er sich gerade
über seinem vermeintlichen „Opfer“ befindet.
Grappling ist eine trügerische Kampfkunst, die erst im
letzten Moment verrät was man eigentlich vor hat. Für
viele Angreifer ist es da aber schon zu spät, sie sind
in die „Fallen“ die der Grappler ihnen gestellt
hat, direkt hinein gelaufen.
Diese drei eben beschriebenen aggressiven Positionen bilden
also das Basis Fundament für fast alle Aufgabegriffe.
Wer seinen Gegner in diesen Position kontrollieren kann, hat
es wesentlich einfacher von dort aus eine Hebel oder Würgetechnik
anzusetzen. Das Kontrollieren des Gegners ist jedoch nur ein
Aspekt. Kommen wir nun zum zweiten Standbein des Bodenkampfes,
das Befreien aus den sogenannten defensiven Positionen.
Eine Stärke des Grappling ist, daß es auch für
körperlich schwächere Personen funktioniert. Wer
also lernen will sich gegen stärkere Gegner durchzusetzen,
muß zu aller erst lernen, wie man sich aus defensiven
Positionen befreit, bzw. was viel wichtiger ist, gar nicht
erst hinein kommt. Wenn es einem körperlich stärkeren
Angreifer nicht möglich ist, sein vermeintliches „Opfer“
zu kontrollieren, wird der Jäger plötzlich zum Gejagten,
er wird mit aller Gewalt versuchen den Grappler zu dominieren
und sich dabei körperlich extrem verausgaben, da ein
Grappler die Fähigkeit hat, immer wieder aus gefährlichen
Positionen zu entkommen, bzw. sie gänzlich zu vermeiden,
gleicht der Angreifer einem Stier der immer wieder versucht
den Torero auf die Hörner zu nehmen. Je öfter er
dies erfolglos probiert, desto müder und frustrierter
wird er. Er besiegt sich quasi selber und der Grappler braucht
ihm nur noch den „Todesstoß“ zu geben, sprich
eine Aufgabetechnik ansetzen.
Die Merkmale der defensiven Bodenpositionen sind also:
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit des Körpers
- Offen für Angriffe des Gegners
- Kaum Chancen eigene Aufgabegriffe anzusetzen
- Man ermüdet schneller als in aggressiven Positionen
a)
Der Gegner hat die Mount Position erreicht
Wer sich in dieser Positionen wiederfindet, ist in einer der
denkbar schlechtesten Positionen in der er sich während
eines Kampfes befinden kann. Die Mount Position ist vielleicht
die effektivste Bodenposition überhaupt und wenn ihr
Gegner die erreicht hat, haben sie alle Nachteile auf ihrer
Seite. Wenn sie nicht gerade im Schlaf überrascht wurden,
gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten warum man sich
in dieser schlechten Lage befindet:
1. Man hat viele grobe Fehler gemacht.
2. Man kämpft mit jemanden der sehr gute Fähigkeiten
im Bodenkampf besitzt.
In beiden Fällen wird es nicht einfach sich zu befreien,
aber nichts ist unmöglich und manchmal wendet sich das
Blatt während eines Kampfes schneller als man denken
kann. Die beste Verteidigung ist es, den Gegner daran zu hindern
diese Position zu erreichen. Normalerweise hat man zwei „Sicherheitsmechanismen“
die verhindern, daß der Gegner die Mount Position erreicht.
Sobald sich ein Grappler in der Rückenlage befindet,
weil er z.B. geworfen wurde, etc. wird er sofort versuchen
seinen Gegenüber mit Hilfe der Beine in die Guard Position
zu bringen. Falls sein Gegner es schafft dies zu vermeiden,
wird er sich in der Cross-Mount Position befinden. Von dort
aus hat der Grappling Anwender die Möglichkeit seinen
Gegner daran zu hindern die Mount Position zu erreichen und
kann ihn zurück in seine Guard Position befördern,
oder sich anders befreien. Erst wenn der Gegner an dieser
„Verteidigungslinie“ vorbei kommt hat er die Mount
Position erreicht. Man müßte also im Normalfall
zweimal „verpennt“ haben, bevor der Gegner einen
in solch eine Lage bringen kann. Natürlich gibt es Möglichkeiten
sich aus dieser Situation zu befreien, aber die beste Verteidigung
ist es, den Gegner erst gar nicht soweit kommen zu lassen.
Hat der Gegner die Mount Position erst einmal erreicht, ist
es wichtig, daß man seine eigenen Ellbogen eng am Körper
hält um zu verhindern, daß er mit seinen Knien
unter die Achseln rutschten kann. 95% aller Befreiungstechniken
aus dieser Position basieren auf dem Einsatz der eigenen Hüfte,
ist der Gegner also erst einmal unter die Achseln gerutscht,
hat man keine Möglichkeit mehr die Hüfte effektiv
einzusetzen und den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen,
bzw. Lücken zu schaffen. Man hält also die Ellenbogen
eng Körper und läßt auch die Beine und den
Kopf flach am Boden. Es ist wichtig, daß man dem Gegner
keinerlei „Haken“ bietet, an denen er sich einhängen
kann.
Grundsätzlich gibt es zwei Formen sich aus der Mount
Position zu befreien:
1. Man katapultiert den Gegner aus der Position heraus und
befindet sich dann in der gegnerischen Guard Position. Dabei
ist es wichtig, den Arm bzw. das Bein auf der Seite zu kontrollieren
auf die man ihn werfen will. Das Prinzip gleicht einem Tisch,
der plötzlich nur noch zwei anstatt vier Beine hat. Auf
der Seite wo die Tischbeine fehlen, fällt er leicht um.
Genau so verhält es sich mit der Mount Position auch.
Wenn der Gegner keinerlei Möglichkeiten mehr hat sich
auf einer Seite abzustützen, wird er sehr instabil sein.
Durch den Einsatz der eigenen Hüfte, die eine sogenannte
„Brücke“ ausführt, wird der Gegner nun
aus der Mount Position heraus katapultiert und hat keine Möglichkeit
sich abzustützen.
2. Man öffnet mit Hilfe der eigenen Hüfte die Beine
des Gegners und rutscht quasi hindurch. Diese Art der Befreiung
ist sehr elegant und wirksam und funktioniert auch bei erfahrenen
Gegnern. Wichtig hierbei ist das geschickte Zusammenspiel
von Beinen, Hüfte und Oberkörper.
Wer zugelassen hat das sein Gegner die Mount Position erreicht,
muß sich darauf einstellen, einige Treffer ab zu bekommen,
bevor er es schafft sich wieder aus dieser Situation zu befreien.
Wichtig ist es, daß man Ruhe bewahrt und mit den Unterarmen,
bzw. Händen (die ja sowieso eng am Körper anliegen
sollten) sein Gesicht schützt. Eine weitere Grundregel
für die Befreiung aus der Mount Position ist: Wenn sich
ein Gegner aufrichtet um mehr Distanz für seine Schläge
zu entwickeln, ist er instabiler. Weil er nur noch mit seinen
Beinen den Boden berührt. Anstatt vier Balancepunkten
hat er nur noch zwei, was sein Gleichgewicht enorm beeinträchtigt.
Umgekehrt ist es natürlich genauso, wenn ein Gegner merkt
das er sich in einer instabilen Lage befindet, wird er eher
auf seine Faustangriffe verzichten und sich auf allen vier
Extremitäten abstützen, um das Gleichgewicht zu
erhalten und das Risiko zu verringern die Mount Position zu
verlieren. Natürlich ist es kein Kinderspiel sich aus
der Mount Position zu befreien, aber das Grappling System
besitzt Möglichkeiten sich aus allen Situationen zu befreien,
nutzen sie diese Techniken und lassen sie sich nicht einfach
von ihrem Gegner kontrollieren.
a) Der Gegner hat die Cross-Mount Position
Wenn man sich in dieser Position befindet, ist es besonders
wichtig auf seine eigene Verteidigungsarbeit zu achten. Der
Angreifer ist schließlich nur noch einen Schritt davon
entfernt die Mount Position zu erreichen. Man sollte versuchen
immer sehr eng an seinem Gegner zu „kleben“, damit
er keine Distanz für seine Schläge entwickeln kann.
Gerade die Knie und Ellebogentechniken stellen eine größere
Gefahr da und könnten sie empfindlich verletzten, wenn
sie zuviel Distanz zwischen sich und den Angreifer kommen
lassen. Das Hauptziel des Grappling Anwenders, bzw. der Anwenderin
ist es, den Gegner entweder mit Hilfe der Beine in seine eigene
Guard Position zu bekommen, oder sich auf die Knie zu drehen,
um den Kampf wieder auf „allen vieren“ fortsetzen
zu können. Die Chance in dieser Position von schweren
Schlägen getroffen zu werden ist geringer als wenn man
sich in der Rückenlage befindet und der Gegner die Mount
Position hält. Trotzdem besteht eine andauernde Gefahr
von Angriffen überrascht zu werden. Auch in dieser Position
sollte man seine Ellenbogen eng zwischen dem eigenen Oberkörper
und dem des Gegners halten, um so eine Lücke zu schaffen.
Durch die Beweglichkeit der Hüfte, kann man in dieser
Position leichter die Beine zwischen sich und den Gegner bringen
als in der vorher beschriebenen Position. Als Grundregel gilt:
Achten sie besonders auf ihre Arme, geben sie dem Gegner keine
„Haken“ den es gibt für ihn unzählige
Möglichkeiten aus dieser Position Armhebel anzusetzen.
Außerdem halten sie ihre Beine besser immer angezogen,
um ihren Gegner daran zu hindern, die Mount Position zu erreichen.
b) Man befindet sich in der Guard Position des Gegners
Diese defensiv Position ist etwas anders als die vorherigen
Zwei, denn man befindet sich in der oberen Position, also
auf dem Gegner. Auch wenn man sich aufgrund dieser Tatsache
schnell dem Gegner überlegen fühlt, ist dem überhaupt
nicht so. Wenn man sich in solch einer Situation befindet,
sollte man nicht versuchen den Gegner mit Schlägen ,
Armhebeln oder Würgegriffen anzugreifen, den dadurch
das man sich in der Umklammerung des Gegners befindet, kann
man leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden und ist auch
in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Da man für
die meisten Armhebel, bzw. Würgegriffe und Schläge,
immer den Einsatz des ganzen Körpers benötigt, ist
es so also kaum möglich effektiv anzugreifen. Die meisten
Angriffsversuche können sogar leicht gekontert werden,
man würde sich quasi unabsichtlich selber besiegen. Das
Primärziel eines Grapplers der sich innerhalb der Guard
Position seines Gegners befindet, ist also die Umklammerung
der Beine zu öffnen und an den Beinen des Gegners vorbei,
in die Cross Mount Position zu kommen. Grundsätzlich
gibt es zwei Arten die zu tun:
Aus einer knienden Position heraus
Aus einer stehenden Position heraus
Das Wichtigste was man beim Überwinden der gegnerischen
Guard Position beachten muß, ist es, das eigene Gleichgewicht
zu bewahren und seinen Schwerpunkt sehr tief zu halten. Grundsätzlich
gibt es zwei Möglichkeiten, die Beinumklammerung des
Gegners zu öffnen: 1. Durch den Einsatz von Hebelkraft,
z.B. indem man die Hüfte des Gegners fixiert und den
Körper in Richtung der gekreuzten Füße (die
schwächste Stelle der gegnerischen Guard Position) bewegt.
2. Durch das Erzeugen von Schmerz, indem man bewußt
Muskeln, oder Gelenke so belastet, das der Gegner, um dem
Schmerz zu entgehen, die Bein- umklammerung löst.
Egal ob man die Guard Position im stehen oder auf den Knien
überwindet, wichtig ist, das man dem Gegner, während
man versucht an seinen Beinen vorbei zu kommen, keinen Platz
läßt, die Hüfte oder Beine einzusetzen. Je
enger man die Umklammerung des Angreifers überwindet,
desto weniger Möglichkeiten hat er, etwas dagegen zu
unternehmen. Wenn man versucht die Guard Position auf den
Knien zu überwinden, hat man meist ein besseres Gleichgewicht
als wenn man dies im Stehen probieren würde, allerdings
bietet man dem Gegner auch mehr Gelegenheiten Schlagtechniken
einzusetzen, ein Risiko, daß geringer ist, wenn man
die Guard Position stehend passieren würde. Während
man sich in dieser Position befindet, sollte man seine Arme
eng am Körper halten und versuchen die Arme des Gegners
zu kontrollieren, außerdem muß man extrem aufmerksam
sein, denn dem Gegner stehen eine Vielzahl von Würgegriffen
,Arm und Beinhebel zur Verfügung, mit denen er den Kampf
für sich entscheiden kann. Eine andere Möglichkeit
besteht darin, daß man, während man sich in der
Guard Position befindet, nicht versucht an den Beinen des
Gegners vorbei zu kommen, sondern sie direkt angreift. Es
gibt einige ziemlich effektive Fuß, Bein und Kniehebel,
die man, sobald der Gegner seine Beine öffnet, bzw. die
Umklammerung etwas löst, sofort ansetzen kann. Allerdings
stellen die Beinhebel eine Ausnahme im Kampfkonzept des Grappling
dar. Das Risiko seine Position zu verlieren und in eine schlechtere
zu kommen, falls der Beinhebel nicht funktioniert, ist ein
wichtiger Entscheidungsgrund bei Beinhebeln. Das erreichen
und stabilisieren einer Position ist innerhalb des Grapplings
sehr wichtig und während man einen Beinhebel ansetzt
öffnet man sich selber so weit, daß der Gegner
dies ausnutzen und die Positionen zu ihrem Nachteil verändern
kann. Deshalb werden Beinhebel innerhalb des Grappling nicht
so häufig angewandt wie z.B. Armhebel oder Würgegriffe.
Allerdings werden die Konter dagegen, sehr extensiv von den
Anwendern trainiert, denn nur wer weiß was alles in
einem wirklichen Kampf passieren kann, hat auch die Möglichkeit
sich dagegen zu verteidigen. Ein paar mehr Details über
Beinhebel finden sich noch später in diesem Buch.
Sie kennen jetzt alle aggressiven und defensiven Basis-Bodenpositionen,
die es innerhalb des Grappling gibt, aber noch wissen Sie
nicht was alle diese Positionen verbindet. Es ist der „Flow“
der Übergang von einer Bewegung zur Nächsten.
II. Aufgabegriffe
Die Aufgabegriffe bilden zusammen mit den verschiedenen Bodenpositionen,
die Grundstruktur des Grappling. Als Aufgabegriff, bezeichnet
man alle Hebel und Würgetechniken die einen Angreifer
zur Aufgabe zwingen, bzw. ihn in letzter Konsequenz kampfunfähig
machen. Alle diese Techniken zielen auf Schwachstellen des
menschlichen Körpers und sind bei nur geringem Kraftaufwand
extrem wirksam. In einem realen Kampf kombiniert der Grappling
Anwender seine Techniken solange, bis er den Gegner kampfunfähig
gemacht hat, Technikkombinationen von 3-4 Angriffen hintereinander
sind dabei keine Seltenheit. Innerhalb des Grappling gibt
es unzählige Aufgabegriffe. Wie sich diese Techniken
unterscheiden und wie genau sie funktionieren, lesen sie auf
den folgenden Seiten.
1. Armhebel
Als Armhebel bezeichnet man alle Techniken, die sich gegen
das Handgelenk, den Ellbogen, oder die Schulter des Gegners
richten. Die Armhebel innerhalb des Grappling sind so strukturiert,
daß der Gegner erst in eine schlechte Position gebracht
und dann unbeweglich gemacht wird. Wenn ein Angreifer kaum
mehr die Möglichkeit hat seinen Körper zu bewegen,
wird es für ihn um so schwieriger, sich aus diesen Angriffen
zu befreien. Das ist auch ein Hauptgrund dafür, warum
90% aller Hebeltechniken innerhalb des Grappling am Boden
ausgeführt werden. Im Stand, hat ein Angreifer einfach
zuviel Platz sich aus Hebeltechniken heraus zu winden. Sobald
man den Gegner also in der Bodenlage kontrolliert, wird das
Gelenk das man angreifen will, exponiert, indem man am Arm
des Gegners zieht, bzw. drückt. Danach wird die Kraft
des gesamten Körpers gegen dieses eine Gelenk eingesetzt,
während der Körper des Angreifers immer noch fixiert
bleibt. Ein Grundprinzip des Grappling ist es, keine Technik
zu erzwingen, was bedeutet, das man sich nicht einfach den
Arm des Gegners nimmt und mit aller Gewalt versucht eine Hebeltechnik
anzusetzen. Vielmehr wartet man auf den Moment, in dem der
Gegner einen Fehler macht und nutzt diesen aus, um einen Angriff
durchzuführen. Hebeltechniken bestehen oft aus komplexen
Bewegungen des ganzen Körpers, wichtig ist es, diese
Bewegungen locker und entspannt durchzuführen und dabei
trotzdem eng am Gegner zu „kleben“. Der richtige
Zeitpunkt, ein entspannter fließender Ablauf und eine
enge Ausführung der Technik, sind die entscheidenden
Faktoren für das erfolgreiche ausführen einer Hebeltechnik.
Wer nur mit Schnelligkeit und Kraft arbeitet, wird früher
oder später an seine Grenzen stoßen, nämlich
immer dann, wenn er auf einen körperlich stärkeren
Gegner trifft. Wirkliches Grappling ist kein Kräftevergleich
zwischen zwei „starken Jungs“, sondern der Sieg
von Technik und Strategie über rohe Gewalt. Zurück
zum Thema, einem gut ausgeführtem Armhebel zu entkommen,
ist nicht leicht, aber für einen trainierten Grappler
durchaus möglich. Wichtigste Regel hierbei ist es entspannt
und locker zu bleiben, denn je angespannter man ist, desto
mehr Stabilität bietet man seinem Gegner und um so enger
kann er dann seinen Armhebel ansetzen. War das jetzt zu viel
auf einmal? O.K. ich werde es ihnen an einem Beispiel verdeutlichen.
Stellen sie sich vor sie sollten sich vom obersten Stock eines
Hauses abseilen. Das Seil ist am Haus festgemacht und sie
halten sich daran fest, während ihre Füße
sich an der Hauswand hinab bewegen. Die Stabilität der
Hauswand, die das Seil hält und an der sie sich abstützen
können, macht ihr Abseilen erst möglich. Was währe
wohl, wenn dieses Haus aus Gummi wäre und die Spitze
sich neigen würde sobald sie versuchen sich abzuseilen.
Wenn die Hauswand flexibel wäre, gäbe sie dem Seil
keinen Halt und genau so verhält es sich mit den Befreiungstechniken
aus Armhebeln. Wenn sie locker und entspannt bleiben, hat
ihr Gegner es viel schwerer einen Punkt zu finden, der ihm
Stabilität bietet. Je weniger Stabilität er hat,
desto offener und weiter wird seine Hebeltechnik und um so
leichter wird es für sie sich daraus zu befreien. Ein
weiterer wichtiger Aspekt ist es, den Angriff des Gegners
schon im Ansatz zu erkennen, denn je weiter ein Hebel ausgeführt
wird, desto schwieriger wird es diesem zu entkommen. sind
Es ist also kaum möglich einem gut angesetzten Armhebel
zu entkommen. Das Beste ist es, den Angriff schon im Ansatz
zu verhindern. Armhebel benötigen einen geringen Kraftaufwand,
haben aber eine extrem effektive und im Ernstfall zerstörerische
Wirkung. Zusammenfassend kann man sagen, daß Armhebel,
bzw. Hebeltechniken im allgemeinen optisch nur teilweise richtig
erfaßt werden können. Ein Großteil ihrer
Effektivität, liegt in den eben beschriebenen Faktoren
begründet und kann nur taktil erfühlt werden.
2. Beinhebel
Als Beinhebel werden alle Knie, Schienbein, Fuß oder
Zehenhebel innerhalb des Grappling bezeichnet. Da der Schmerz,
gerade bei Kniehebeln oft erst dann auftritt, wenn es schon
zu einer ernsten Verletzung gekommen ist, muß man diese
Techniken extrem vorsichtig trainieren. Gerade im Bereich
der Kniegelenke, kann es sonst zu schweren Verletzungen des
Bandapparates kommen. Beinhebel sind die Joker innerhalb des
Grappling Systems. Im richtigen Moment eingesetzt, können
sie den Kampf auch wenn man sich gerade in einer schlechten
Position befindet, zu ihren Gunsten entscheiden. Um solch
einen Hebel anzusetzen, fixiert man zuerst das Bein des Gegners
und geht mit der gesamten Körperkraft gegen das gegnerische
Bein ( wie beim Armhebel). Zu den gefährlichsten Techniken
gehören die Kniehebel, wie z.B. der „Heel Hook“.
Bei dieser Aktion wird dem Gegner das Knie verdreht, so daß
im Ernstfall die Kreuzbänder reißen, bzw. verletzt
würden. Da der Schmerz bei solchen Aktionen erst auftritt,
wenn schon eine Verletzung entstanden ist, sind solche Techniken
beim Sparring nicht. Oder nur eingeschränkt erlaubt.
3. Würgegriffe und Nackenhebel
Würgegriffe sind die „nettesten“ Aufgabegriffe,
weil Sie darauf abzielen, die Blutzufuhr zum Kopf des Gegners
zu unterbrechen. Was darin resultiert, daß er bewußtlos
wird. Im Gegensatz zu den Armhebeln sind Würgegriffe
also nahezu sanft. Natürlich gibt es auch einige Techniken,
die direkt auf den Kehlkopf angesetzt werden, allerdings sind
die meisten „Würger“ gegen die Halsschlagader
gerichtet. Warum? Egal wie groß jemand ist, ein Würgegriff
wirkt immer, unabhängig von Gewicht und Statur. Bei Genickhebeln
ist alles etwas anders. Sie attackieren direkt den Nacken
bzw. den oberen Rücken des Gegners. Im Gegensatz zu den
Armhebeln und Würgegriffen kommen Genickhebel nicht so
häufig vor. Nichts desto trotz sind diese Techniken äußerst
wirksam.
Wie auch beim Konzept der unterschiedlichen Positionen, gibt
es auch hier etwas, daß alle Aufgabegriffen zusammenhält,
den Flow. Wenn man z.B. versucht einen Armhebel anzusetzen,
und der Gegner reagiert darauf um zu kontern, kann man direkt
einen Würgegriff ansetzen und falls dieser auch nicht
funktioniert, die Technik wieder zurück in einen Armhebel
verwandeln. Man muß fähig sein, sich immer wieder
den Reaktionen des Gegners anzupassen und entsprechend darauf
zu reagieren. Darin liegt der schwierigste Teil, die wirkliche
Kunst des Grappling.
Fassen wir also noch einmal zusammen, wir haben innerhalb
des Grapplings das Prinzip der defensiven und aggressiven
Positionen, das Stabilisieren und das Befreien aus solchen
Situationen und wir haben den Flow der Positionen und den
Submission Flow. Ziel ist es diese Beiden zu einem einzigen
Flow zu verbinden. Man fließt von einer Position in
die nächste, oder direkt in einen Aufgabegriff, von dort
vielleicht in einen anderen Aufgabegriff oder eine andere
Bodenposition. Man fühlt was der Gegner tut, nutz seine
Fehler und paßt sich ständig seinen Bewegungen
an. Wie beim Schach bringt man Ihn Zug um Zug in eine schlechtere
Position, bis man Ihn zur Aufgabe bringen kann.
Der „Flow“ – Übergänge von einer
Technik zur Nächsten
Mit „Flow“ bezeichnet man für gewöhnlich,
das Fließen von einer Technik in die Nächste, aber
„Flow“ ist mehr als nur einfach die Fähigkeit
Techniken miteinander zu verbinden, es ist eine Art zu kämpfen,
zu trainieren und zu Leben. Was also bedeutet dieser Begriff
also genau? Nun, technisch gesehen, bezeichnet man mit „Flow“,
die Fähigkeit, die Kraftrichtung der gegnerischen Techniken
zu erfühlen und sich dieser Kraft anzupassen. Dies gelingt
nur wenn man seinen Körper vollkommen entspannt läßt,
um so die nötige Flexibilität, bzw. Sensibilität
zu haben, die Angriffe des Gegners zum eigenen Vorteil zu
nutzen. Für einen Grappler bedeutet dies, das er niemals
auf eine bestimmte Technik fixiert sein darf, denn das würde
ihn daran hindern seinen neutralen Standpunkt beizubehalten
und ihn verkrampfen lassen. Ein Grappler ist nicht darauf
fixiert seinen Gegner mit einem Einzelnen Angriff zu besiegen,
seine Strategie besteht vielmehr darin, von einer Technik
zur nächsten zu fließen und solange damit fortzufahren
bis er den Gegner zur Aufgabe gezwungen hat. Kommt ihnen das
alles etwa bekannt vor? Ja, das liegt wahrscheinlich daran,
daß fast jede Kampfkunst behauptet, auf dem Prinzip
von „Siegen durch Nachgeben“ zu basieren. „Flow“
ist aber ein viel tiefergehendes Prinzip, was sowohl technisch,
als auch mental viel komplexere Theorien mit einschießt.
Fangen wir also einmal von vorne, sprich mit den physischen
Merkmalen des Flow an. Ein Grappler versucht niemals einen
gegnerischen Angriff zu blocken, oder auf seine Deckung zu
nehmen. Er wird immer ausweichen und versuchen in den Clinch
zu gehen. Warum? Weil dies der Weg des geringsten Widerstandes
ist, er entgeht der Angriffskraft des Gegners und stört
nicht den Fluß der Bewegung. Er erlaubt quasi seinem
Gegner ihn anzugreifen und nimmt ihm trotzdem die Chance auf
einen Gegenangriff. Ich gebe ihnen ein praktisches Beispiel:
Stellen sie sich vor sie sollten mit ihrem Auto ein anderes
stoppen. Was währe wohl der sicherste Weg?
Möglichkeit Nr. 1: Sie fahren einfach Frontal auf das
andere Auto zu, bzw. stellen sich ihm in den Weg und warten
auf den Aufprall, der das Auto stoppt.
Möglichkeit Nr. 2: Sie fahren dem zu stoppenden Auto
frontal in die Seite und hoffen das es durch den Zusammenstoß
umgeworfen, bzw. gestoppt wird.
Möglichkeit Nr. 3: Noch bevor das Auto los fährt,
stellen sie sich einfach so dich sich können vor dem
zu stoppenden Auto quer. Der Fahrer hat somit keine Möglichkeit
den Wagen zu beschleunigen, bzw. ihr Auto hart zu treffen.
Es wird nicht viel Überlegungen bedürfen, um zu
erkennen das Möglichkeit Nummer drei der sicherste und
eleganteste Weg ist ein Auto zu stoppen und so verhält
es sich auch im Grappling, man begegnet den Schlägen
seines Gegners nicht direkt, sondern man fließt mit
der Bewegung und kreiert somit eine neue Situation. Das erste
Prinzip des Flow lautet also: Man erlaubt seinem Gegner anzugreifen
und schafft somit eine neue Ausgangssituation.
Wenn mein Gegner mich angreift, bündelt er seine gesamte
Angriffsenergie in dieser einen Bewegung. Warum also sollte
ich versuchen, diesen Angriff, mit einem Block zu stoppen,
ihn auf meiner Deckung abprallen zu lassen oder z.B. einen
Kipphandhebel (falls er mit einem Schlag angreift) anzusetzen?
Was würde passieren? Ganz einfach der, der mehr Muskelkraft
besitzt würde gewinnen. „Flow“ bedeutet aber
sich anzupassen und durch Anpassung neue Situationen entstehen
zu lassen und somit steht es außer Frage wie man seinen
Gegner besiegt. Nämlich überhaupt nicht, der Angreifer
besiegt sich selbst.
Sobald ein Grappler sich im Clinch oder am Boden befindet,
ist der „Flow“ immer noch das wichtigste Kampfprinzip.
Man paßt sich der Kraft des Gegners an und bleibt so
eng an ihm kleben, daß er keinerlei Angriffsmöglichkeiten
mehr hat. Das zweite Prinzip heißt also: Man „klebt“
am Gegner und folgt seinen Bewegungen. Der eigene Körper
ist quasi gar nicht existent. Man erlaubt seinem Gegner alles
zu tun und „fließt“ dabei in jede Lücke
die er dabei preis gibt. Man ist wie Wasser, ohne feste Form
und trotzdem gefährlich, für jeden der nicht schwimmen
kann. Mit „Flow“ bezeichnet man also nicht nur
die Fähigkeit die Kraft des Gegners zu neutralisieren,
sondern die Kampfsituation so zu verändern, daß
der Gegner gar keine neue Kraft mehr aufbauen kann. Darin
liegt auch ein großer Unterschied zu vielen anderen
Kampfkünsten. Einige Systeme lehren zwar, die Kraft des
Gegners effektiv zu umgehen, aber sie verändern nicht
die Kampfsituation, sondern versuchen direkt einen Gegenangriff
zu landen. Das Problem hierbei ist, daß der Angreifer
dann vielleicht getroffen wird, aber trotzdem noch oder wieder
die Möglichkeit hat zurück zu schlagen. Dadurch
würde wieder ein Spiel der Körperkräfte entstehen,
was mit dem Prinzip des „Flows“ nichts zu tun
hat.
Wissen sie was? Alles was ich ihnen eben erklärt habe
ist völlig nutzlos, wenn.........
Wenn, was? Ganz einfach, wenn sie die mentale Seite des „Flows“
nicht verstehen. Wie viele Schüler hatte ich schon, die
sich nicht von ihrer liebgewonnen körperlichen Verkrampftheit
und der geistigen Devise „Sieg durch Körperkraft
und zwar schnell....“ trennen konnten. Wer mit Flow
kämpfen will, muß auch mental darauf eingestellt
sein. Wenn sie vor ihrem Gegner stehen und sie vor lauter
Wut schon Schaum vorm Mund haben, werden sie auch dementsprechend
angreifen. Sie werden versuchen ihren Gegner mit aller Gewalt
zu verletzen und vergessen dabei alles was sie über den
„Flow“ gelernt haben, aber und das ist die gute
Seite von Niederlagen, sie werden sich wieder daran erinnern,
wenn ihr Gegner ihnen körperlich überlegen war..........
Wenn sie in einem Kampf gehen, müssen sie das vollkommen
ohne Hektik und Wut tun, sie haben eine Strategie und ihr
Ziel ist es diese umzusetzen. Ihnen ist egal ob ihr Gegner
härter und schneller schlagen und treten kann als sie
selbst, denn sie wissen sie werden keinen Schlagabtausch,
kein Kräftemessen mit ihm eingehen. Sie sind auch darauf
vorbereitet, das ihr Gegner sie vielleicht werfen kann, weil
er viel kräftiger ist als sie, denn ihr Ziel ist es den
endgültigen Sieg, die Aufgabe des Gegners zu erreichen
und keine Punkte bei den Kampfrichtern zu machen. Solange
sie sich vor den Angriffen ihres Gegners schützen können,
kann er sie nicht besiegen und alles was er macht läßt
seine Kampfkraft immer mehr schwinden. Das ist auch „Flow“
sie mischen sich nicht in den Kampf ein, denn sie wollen keinen
Kampf mit ihm. Lassen sie ihn dieses Gefecht mit sich selber
führen und wenn er müde ist, tun sie was sie tun
müssen, fließen sie mit dem Kampfverlauf und beenden
sie den Kampf, den er angefangen uns selber verloren hat.
Lassen sie sich mental nicht in seinen Kampf hinein ziehen,
denn Wut und Haß, beeinträchtigen ihre körperlichen
Funktionen. Sie werden Verkrampft, ihr Puls steigt extrem,
ihre Sensitivität (die Fähigkeit Dinge taktil zu
erfühlen) läßt nach und die Muskeln übersäuern
plötzlich. Kurz gesagt ihre Kampfkraft schwindet extrem
schnell und sie sind jetzt in einem Kampf mit ihrem Gegner.
Sie nehmen ihm einen Teil seiner Arbeit ab, anstatt ihn sich
selber besiegen zu lassen. Hört sich das jetzt esoterisch
an? Stop. Das ist es nicht, hier ein kleines Beispiel um den
Sachverhalt deutlicher zu machen. Als vor einigen Jahren der
jüngere der beiden Klitschkow Brüder in seiner Heimatstadt
Kiew boxte, hatte er einen recht durchschnittlichen Gegner.
So schien es zumindest, denn Vladimir schlug neun Runden lang
auf seinen Gegner ein ohne einen nennenswerten Gegentreffer
zu kassieren. Sein Gegner war aber taktisch sehr klug, den
er schaffte es diese zehn Runden lang den schweren Schlägen
von Vladimir zu entkommen. In den zehnten Runde war der russische
Boxer so ausgepowert, das er einen extremen Leistungsabfall
bekam. Sein Gegner nutzte dies und konnte den Kampf in der
zehnten Runde durch Abbruch gewinnen. Eine intelligente Kampftaktik
nicht wahr? Was aber wäre gewesen wenn, der Amerikaner
gleich in der ersten Runde versucht hätte Klitschkow
K.O. zu schlagen? Es wäre zu einem offenen Schlagabtausch
gekommen, den der offensichtlich schwächere Amerikaner
verloren hätte. So aber hat er Vladimir erst einmal 9
Runden „mit sich selber kämpfen lassen“ um
ihn dann in der Zehnten zu besiegen.
Na, jetzt alles verstanden? O.K. fassen wir also noch einmal
Zusammen, „Flow“ bezeichnet die körperliche
und mentale Fähigkeit der Kraft des Gegners zu entgehen
und sie zum eigenen Vorteil zu nutzen. Aus diesem Grund ist
man nicht an irgendeine Technik gebunden, sondern befindet
sich immer in einer neutralen Ausgangslage, um jederzeit Situationsentsprechend
reagieren zu können. Man fließt sozusagen von Technik
zu Technik, bis man den Gegner zur Aufgabe gebracht hat.
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