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Vorurteile über das Brazilian Jiu Jitsu
Selbst nachdem sich das Brazilian Jiu Jitsu in Japan, den
USA und Brasilien in den letzten 10 Jahren von der Trendsportart
zum Marktführer im Bereich Kampfkunst und Selbstverteidigung
entwickelt hat, hat es seinen Durchbruch in Deutschland noch
nicht wirklich geschafft. Das liegt vielleicht daran, das
es viel Vorurteile und Mißverständnisse gibt, unter
denen das Grappling zu leiden hat. Nachfolgend haben wir einmal
die häufigsten Fehleinschätzungen aufgegriffen und
richtig gestellt.
1. Brazilian Jiu Jitsu ist eine brutale Kampfkunst
Immer wird das BJJmit den berühmt-berüchtigten Käfigkämpfen
und „Ultimate Fights“ in Verbindung gebracht und
somit in eine Ecke gedrängt, in die es nicht gehört.
Fakt ist, das an solchen Turnieren Kampfkünstler aller
Stile teilgenommen haben, der einzige Grund dafür, das
das Brazilian Jiu Jitsu im Vordergrund stand, ist die Tatsache,
das die Athleten dieser Stile erfolgreicher waren als Andere
und fast alle Kämpfe für sich entschieden. Hätten
z.B. die Tea Kwon Do oder Judo Kämpfer die daran teilnahmen,
immer wieder gewonnen, würde man heute diese Stile mit
den „Cage Fights“ in Verbindung bringen und so
ist es das BJJ. Wer sich jedoch einmal die Kämpfe von
guten BJJ Kämpfern anschaut die bei solchen Turnieren
teilnahmen, wird schnell erkennen, das diese ihre Kämpfe
durch Technik und nicht durch Gewalt gewonnen haben. Das Image
eines Blutspektakels haben eher die Teilnehmer geprägt,
die wenig technische Fähigkeiten hatten und einfach nur
auf ihre Gegner einprügelten. Fazit, BJJ hat nicht mehr
oder weniger mit diesen Blutspektakeln gemeinsam, wie Karate,
Tea Kwon Do, oder irgendeine andere Kampfkunst die bei solch
einer Veranstaltung repräsentiert wurde.
2.
BJJ = Bodenkampf
„Brazilian Jiu Jitsu ist schon wichtig, denn man sollte
sich auch am Boden verteidigen können......“ Solche
Sätze hört man öfters, aber auch wenn sie im
ersten Moment positiv klingen, zeigen sie doch, das die meisten
Menschen ein völlig falsches Bild vom BJJ haben. Brazilian
Jiu Jitsu ist kein Bodenkampf, es ist auch kein Standkampf,
sondern eine Kunst die uns auf den Kampf in allen erdenklichen
Situationen des unbewaffneten Zweikampfes vorbereitet. Auch
wenn fast alle Zweikämpfe am Boden enden, so fangen die
meisten doch im Stand an und genau aus diesem Grund trainiert
ein BJJ Kämpfer den Stand und Bodenkampf zu jeweils 50%.
Das wichtigste Prinzip im BJJ ist, nicht getroffen zu werden
und diese Maxime zieht sich durch alle Bereiche des BJJ. Ein
Anwender kann im Stand genau so effektiv kämpfen wie
am Boden, denn das Brazilian Jiu Jitsu ist eine totale Kampfkunst,
die komplett ist und keine stilfremden Ergänzungen benötigt.
3.
Für Brazilian Jiu Jitsu benötigt man viel Kraft
Nun für alles im Leben benötigt man Kraft, denn
ohne Kraft ist keine Bewegung möglich, egal ob man eine
Faust ballt, oder sein Bein hebt, man benötigt dafür
eine gewisse Grundkraft. Es gibt also keine Kampfkunst, die
völlig ohne Kraft funktioniert. Beim BJJ jedoch geht
es darum mit wenig Krafteinsatz einen möglichst hohen
Nutzen zu erzielen. Günstige Hebelverhältnisse,
die Schwachstellen der menschlichen Anatomie und eine intelligente
Strategie, sind die Mittel die dafür benötigt und
eingesetzt werden. Heute wie auch vor 100 oder vor 1000 Jahren,
waren und sind die besten Kämpfer zwar athletische und
durchtrainierte Menschen, aber keinenfalls haben sie die Ausmaße
eines Arnold Schwarzenegger in seiner Zeit als Mr. Universum.
Kraft, vor Allem funktionelle Kraft ist ein Vorteil in jedem
Sport, allerdings spielt es im BJJ nicht solch eine große
Rolle, wie in anderen Sportarten. Nehmen wir z.B. das Boxen.
Dort wäre es völlig undenkbar, das ein Leichtgewichtler,
einen Schwergewichtler besiegt. Im BJJ jedoch, hat es schon
viele Kämpfe gegeben, in denen der Gewichtsunterschied
bei mehr als 25 Kilo lag und der leichtere Kämpfer, aufgrund
seiner besseren Technik und Strategie den Kampf gewinnen konnte.
4.
Im BJJ gibt es keine Schlag und Trittechniken
Auch ein weiterer Mythos der so einfach nicht stimmt. Im Brazilian
Jiu Jitsu gibt es Schlag und Trittechniken, sowohl im Stand,
wie auch am Boden. Der Hauptgrund, warum diese nicht so häufig
eingesetzt werden wie in anderen Stilen, liegt darin, das
man im BJJ immer auf die eigene Sicherheit bedacht ist. Man
schlägt nur dann, wenn das Risiko selber getroffen zu
werden, bzw. sich dabei zu verletzen sehr gering ist. Die
menschliche Hand ist von ihrer Anatomie her nicht dafür
geeignet, schwerste Schläge auf harte Ziele, wie z.B.
der Schädleknochen abzugeben und jeder weiß, das
viele Boxer sich trotz Bandagen und Handschuhen, häufig,
die Finger, die Mittelhandknochen, bzw. das Handgelenk brechen.
Im BJJ werden Schläge, gerade im Stand völlig anders
als in anderen Stilen ausgeführt. Nichts desto trotz
existieren diese Techniken und werden häufig im Kampf
eingesetzt.
5.
Brazilian Jiu Jitsu funktioniert nicht gegen mehrere Angreifer
Auch dies ist ein häufiges Vorurteil und um eines gleich
vorweg zu sagen, die einzige Kampfkunst die gegen mehrere,
womöglich noch bewaffnete Angreifer fast immer funktioniert,
bekommt man bei Smith & Wesson, sofern man einen Waffenschein
besitzt. Sich gegen mehrere gefährliche Angreifer zu
verteidigen ist nicht so einfach wie man es oft erzählt
bekommt. Warum? Weil 6 Beine und 6 Arme, in kurzer Zeit mehr
Schaden anrichten können, als man mit 2 Beinen und 2
Armen verhindern kann. In der Realität greifen nämlich,
anders als im Training, die Gegner meist alle gleichzeitig
an und stürzen sich auf ihr Opfer. Das man in so einer
Situation oft chancenlos ist. Die beste Verteidigungsmöglichkeit
besteht darin, zu flüchten, sich nicht zu Boden reißen
zu lassen und zu versuchen einen der Angreifer als menschliches
Schutzschild zu benützen, um Zeit zur Flucht zu gewinnen.
Ein BJJ Kämpfer hat durch sein Training einen sehr guten
Gleichgewichtssinn und kann so nicht so leicht zu Boden gerissen
zu werden, wie ein normaler Mensch, außerdem kann er
sich auch effektiver aus Umklammerungen, etc. lösen,
was seine Fluchtmöglichkeiten begünstig.
6. BJJ ist nur etwas für „harte Männer“
Diese Behauptung ist ganz einfach völlig falsch. Brazilian
Jiu Jitsu eignet sich für Männer, Frauen, Kinder
und Senioren, denn jeder kann die Intensität seines Trainings
selber bestimmen. Für Kinder z.B. ist es ideal um ihre
natürlichen Bewegungsmuster beizubehalten noch zu verbessern,
außerdem können sie ihre Energie sinnvoll nutzen
und ihren Körper dabei trainieren.
Auch für Frauen stellt das Grappling eine hervorragende
Selbst- verteidigung da, wenn man bedenkt, das sexuell motivierte
Straftaten auf Frauen, fast immer eine Auseinandersetzung
im Nahbereich, bzw. am Boden zur Folge haben. 60% all dieser
Delikte werden auch noch von Bekannten, oder Verwandten verübt,
so das die Möglichkeit, das sich das vermeindliche Opfer
schon in einer sitzenden, oder liegenden Position befindet,
enorm groß ist. Grappling lehrt Frauen, sich da zu verteidigen
wo Angriffe wirklich passieren und das ist nun einmal die
Nah und Bodenkampf Distanz.
Den Beweis dafür, das man Grappling auch noch im hohen
Alter praktizieren kann, liefert Helio Gracie, selbst heute
mit fast neunzig Jahren, trainiert er noch regelmäßig
und ist körperlich und geistig in bemerkenswerter Form.
Auch in Deutschland haben Leute wie Erich Rahn, der die alte
, artverwandte Form des japanischen Jiu Jitsu praktizierte,
bewiesen, das man bis ins hohe Alter fit bleiben kann, wenn
man nur regelmäßig trainiert.
7.
Grappling ist reiner Kampf, keine Kampfkunst, mit Tradition
und einer dahinterstehenden Philosophie
Grappling ist so vielschichtig, das man es kein passendes
Label dafür finden kann. Natürlich ist es eine strategische
Kampfkunst, die seine Anwender auf den unbewaffneten Zweikampf
ohne jeglichen Beschränkungen vorbereitet, aber genauso
ist es auch, eine Philosophie des Lernens und des Lebens.
Es verbindet Erkenntnisse aus den Ernährungswissenschaften,
der Psychologie und Philosophie, mit modernem und antikem
Wissen über waffenlosen Kampf. Die jahrtausende alte
Geschichte dieser Kunst, hat sie mehr und mehr reifen lassen
und auch heute noch, wird das überlieferte Wissen, weiter
entwickelt und perfektioniert. Das „Luna“ Prinzip,
was die Abkürzung für „Lernen und niemals
aufhören“ ist, steht für eine progressive
Entwicklung der mentalen, technischen, physischen, strategischen
und spirituellen Aspekte des Grappling.
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