7 Vorurteile über das Brazilian Jiu Jitsu


Selbst nachdem sich das Brazilian Jiu Jitsu in Japan, den USA und Brasilien in den letzten 10 Jahren von der Trendsportart zum Marktführer im Bereich Kampfkunst und Selbstverteidigung entwickelt hat, hat es seinen Durchbruch in Deutschland noch nicht wirklich geschafft. Das liegt vielleicht daran, das es viel Vorurteile und Mißverständnisse gibt, unter denen das Grappling zu leiden hat. Nachfolgend haben wir einmal die häufigsten Fehleinschätzungen aufgegriffen und richtig gestellt.

1. Brazilian Jiu Jitsu ist eine brutale Kampfkunst
Immer wird das BJJmit den berühmt-berüchtigten Käfigkämpfen und „Ultimate Fights“ in Verbindung gebracht und somit in eine Ecke gedrängt, in die es nicht gehört. Fakt ist, das an solchen Turnieren Kampfkünstler aller Stile teilgenommen haben, der einzige Grund dafür, das das Brazilian Jiu Jitsu im Vordergrund stand, ist die Tatsache, das die Athleten dieser Stile erfolgreicher waren als Andere und fast alle Kämpfe für sich entschieden. Hätten z.B. die Tea Kwon Do oder Judo Kämpfer die daran teilnahmen, immer wieder gewonnen, würde man heute diese Stile mit den „Cage Fights“ in Verbindung bringen und so ist es das BJJ. Wer sich jedoch einmal die Kämpfe von guten BJJ Kämpfern anschaut die bei solchen Turnieren teilnahmen, wird schnell erkennen, das diese ihre Kämpfe durch Technik und nicht durch Gewalt gewonnen haben. Das Image eines Blutspektakels haben eher die Teilnehmer geprägt, die wenig technische Fähigkeiten hatten und einfach nur auf ihre Gegner einprügelten. Fazit, BJJ hat nicht mehr oder weniger mit diesen Blutspektakeln gemeinsam, wie Karate, Tea Kwon Do, oder irgendeine andere Kampfkunst die bei solch einer Veranstaltung repräsentiert wurde.

2. BJJ = Bodenkampf
„Brazilian Jiu Jitsu ist schon wichtig, denn man sollte sich auch am Boden verteidigen können......“ Solche Sätze hört man öfters, aber auch wenn sie im ersten Moment positiv klingen, zeigen sie doch, das die meisten Menschen ein völlig falsches Bild vom BJJ haben. Brazilian Jiu Jitsu ist kein Bodenkampf, es ist auch kein Standkampf, sondern eine Kunst die uns auf den Kampf in allen erdenklichen Situationen des unbewaffneten Zweikampfes vorbereitet. Auch wenn fast alle Zweikämpfe am Boden enden, so fangen die meisten doch im Stand an und genau aus diesem Grund trainiert ein BJJ Kämpfer den Stand und Bodenkampf zu jeweils 50%. Das wichtigste Prinzip im BJJ ist, nicht getroffen zu werden und diese Maxime zieht sich durch alle Bereiche des BJJ. Ein Anwender kann im Stand genau so effektiv kämpfen wie am Boden, denn das Brazilian Jiu Jitsu ist eine totale Kampfkunst, die komplett ist und keine stilfremden Ergänzungen benötigt.

3. Für Brazilian Jiu Jitsu benötigt man viel Kraft
Nun für alles im Leben benötigt man Kraft, denn ohne Kraft ist keine Bewegung möglich, egal ob man eine Faust ballt, oder sein Bein hebt, man benötigt dafür eine gewisse Grundkraft. Es gibt also keine Kampfkunst, die völlig ohne Kraft funktioniert. Beim BJJ jedoch geht es darum mit wenig Krafteinsatz einen möglichst hohen Nutzen zu erzielen. Günstige Hebelverhältnisse, die Schwachstellen der menschlichen Anatomie und eine intelligente Strategie, sind die Mittel die dafür benötigt und eingesetzt werden. Heute wie auch vor 100 oder vor 1000 Jahren, waren und sind die besten Kämpfer zwar athletische und durchtrainierte Menschen, aber keinenfalls haben sie die Ausmaße eines Arnold Schwarzenegger in seiner Zeit als Mr. Universum. Kraft, vor Allem funktionelle Kraft ist ein Vorteil in jedem Sport, allerdings spielt es im BJJ nicht solch eine große Rolle, wie in anderen Sportarten. Nehmen wir z.B. das Boxen. Dort wäre es völlig undenkbar, das ein Leichtgewichtler, einen Schwergewichtler besiegt. Im BJJ jedoch, hat es schon viele Kämpfe gegeben, in denen der Gewichtsunterschied bei mehr als 25 Kilo lag und der leichtere Kämpfer, aufgrund seiner besseren Technik und Strategie den Kampf gewinnen konnte.

4. Im BJJ gibt es keine Schlag und Trittechniken
Auch ein weiterer Mythos der so einfach nicht stimmt. Im Brazilian Jiu Jitsu gibt es Schlag und Trittechniken, sowohl im Stand, wie auch am Boden. Der Hauptgrund, warum diese nicht so häufig eingesetzt werden wie in anderen Stilen, liegt darin, das man im BJJ immer auf die eigene Sicherheit bedacht ist. Man schlägt nur dann, wenn das Risiko selber getroffen zu werden, bzw. sich dabei zu verletzen sehr gering ist. Die menschliche Hand ist von ihrer Anatomie her nicht dafür geeignet, schwerste Schläge auf harte Ziele, wie z.B. der Schädleknochen abzugeben und jeder weiß, das viele Boxer sich trotz Bandagen und Handschuhen, häufig, die Finger, die Mittelhandknochen, bzw. das Handgelenk brechen. Im BJJ werden Schläge, gerade im Stand völlig anders als in anderen Stilen ausgeführt. Nichts desto trotz existieren diese Techniken und werden häufig im Kampf eingesetzt.

5. Brazilian Jiu Jitsu funktioniert nicht gegen mehrere Angreifer
Auch dies ist ein häufiges Vorurteil und um eines gleich vorweg zu sagen, die einzige Kampfkunst die gegen mehrere, womöglich noch bewaffnete Angreifer fast immer funktioniert, bekommt man bei Smith & Wesson, sofern man einen Waffenschein besitzt. Sich gegen mehrere gefährliche Angreifer zu verteidigen ist nicht so einfach wie man es oft erzählt bekommt. Warum? Weil 6 Beine und 6 Arme, in kurzer Zeit mehr Schaden anrichten können, als man mit 2 Beinen und 2 Armen verhindern kann. In der Realität greifen nämlich, anders als im Training, die Gegner meist alle gleichzeitig an und stürzen sich auf ihr Opfer. Das man in so einer Situation oft chancenlos ist. Die beste Verteidigungsmöglichkeit besteht darin, zu flüchten, sich nicht zu Boden reißen zu lassen und zu versuchen einen der Angreifer als menschliches Schutzschild zu benützen, um Zeit zur Flucht zu gewinnen. Ein BJJ Kämpfer hat durch sein Training einen sehr guten Gleichgewichtssinn und kann so nicht so leicht zu Boden gerissen zu werden, wie ein normaler Mensch, außerdem kann er sich auch effektiver aus Umklammerungen, etc. lösen, was seine Fluchtmöglichkeiten begünstig.
6. BJJ ist nur etwas für „harte Männer“
Diese Behauptung ist ganz einfach völlig falsch. Brazilian Jiu Jitsu eignet sich für Männer, Frauen, Kinder und Senioren, denn jeder kann die Intensität seines Trainings selber bestimmen. Für Kinder z.B. ist es ideal um ihre natürlichen Bewegungsmuster beizubehalten noch zu verbessern, außerdem können sie ihre Energie sinnvoll nutzen und ihren Körper dabei trainieren.
Auch für Frauen stellt das Grappling eine hervorragende Selbst- verteidigung da, wenn man bedenkt, das sexuell motivierte Straftaten auf Frauen, fast immer eine Auseinandersetzung im Nahbereich, bzw. am Boden zur Folge haben. 60% all dieser Delikte werden auch noch von Bekannten, oder Verwandten verübt, so das die Möglichkeit, das sich das vermeindliche Opfer schon in einer sitzenden, oder liegenden Position befindet, enorm groß ist. Grappling lehrt Frauen, sich da zu verteidigen wo Angriffe wirklich passieren und das ist nun einmal die Nah und Bodenkampf Distanz.
Den Beweis dafür, das man Grappling auch noch im hohen Alter praktizieren kann, liefert Helio Gracie, selbst heute mit fast neunzig Jahren, trainiert er noch regelmäßig und ist körperlich und geistig in bemerkenswerter Form. Auch in Deutschland haben Leute wie Erich Rahn, der die alte , artverwandte Form des japanischen Jiu Jitsu praktizierte, bewiesen, das man bis ins hohe Alter fit bleiben kann, wenn man nur regelmäßig trainiert.

7. Grappling ist reiner Kampf, keine Kampfkunst, mit Tradition und einer dahinterstehenden Philosophie
Grappling ist so vielschichtig, das man es kein passendes Label dafür finden kann. Natürlich ist es eine strategische Kampfkunst, die seine Anwender auf den unbewaffneten Zweikampf ohne jeglichen Beschränkungen vorbereitet, aber genauso ist es auch, eine Philosophie des Lernens und des Lebens. Es verbindet Erkenntnisse aus den Ernährungswissenschaften, der Psychologie und Philosophie, mit modernem und antikem Wissen über waffenlosen Kampf. Die jahrtausende alte Geschichte dieser Kunst, hat sie mehr und mehr reifen lassen und auch heute noch, wird das überlieferte Wissen, weiter entwickelt und perfektioniert. Das „Luna“ Prinzip, was die Abkürzung für „Lernen und niemals aufhören“ ist, steht für eine progressive Entwicklung der mentalen, technischen, physischen, strategischen und spirituellen Aspekte des Grappling.

     
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